Als krönenden Abschluss der Parkmassaker-Saison 04/05 und somit auch des Grand Prix de Luxe haben wir einen der schönsten Parks im Zürcher Seefeld zur temporären Spielwiese erklärt und den Kurs für alle Teilnehmer so anspruchsvoll gestaltet, dass jeder Spezialist seinen kleinen Vorteil ausspielen konnte aber doch auch rundum gefordert wurde. Von losem Kies gemischt mit Schnee über Stufen und nasse Steinplatten bis hin zu Kanten und steilen Abfahrten war alles vertreten. Zudem schneite es was der Himmel hergab und man vergass zwischendurch, dass man immer noch in der Stadt war, weil die Häuser am Horizont ganz hinter einem dichten weissen Schleier zu verschwinden drohten.
Es traf eine illustre Gruppe von Freunden des Zweirads mitsamt Anhang ein, so war wieder mal von Camouflage bis Lycra alles vertreten und die Liebe zum Velo schien alle Unterschiede in sozialem Status und politischer Gesinnung vergessen zu lassen. Mit geschwellter Brust präsentierte jeder seinen fahrbaren Untersatz als Statussymbol und es gab genügend Stoff, um fleissig zu Fachsimpeln während die Administration der Parkmassaker-Kru die Formalitäten erledigte. Sogar aus Basel waren Kontrahenten angereist, was uns natürlich immer wieder glücklich und stolz stimmt.
In der Zwischenzeit sicherte der Stosstrupp der Parkmassaker-Kru das Gelände und bereitete den Kurs vor, so dass kurz nach dem Eintreffen des Starterfeldes und aller Zuschauer die Strecke begangen werde konnte, wobei die Rennleitung auf besonders knifflige Passagen und Disqualifikationszonen hinwies und immer wieder zu Sportlichkeit, Rücksichtnahme und Fairness aufrief (was regelmässig mit pubertärem Gekicher quittiert wurde). Der Rundkurs schien alle so zu begeistern, dass sie ungeduldig in die Starterzone drängten und den Anweisungen der Rennleitung sofort Folge leisteten. Die Fahrräder wurden zum ersten mal für den Le-Mans-Start ordentlich und gleichmässig deponiert und die Teilnehmer begaben sich auch ohne zu Murren auf ein und dieselbe Linie.
Zum Start zündete der Kru-Präsident eine heulende Rakete und beim Knall stürmte jeder zu seinem Velo und begab sich direkt ins Nadelöhr des Kurses, einen von Säulengesäumten Korridor aus steinernen Platten unter herunterhängendem Wein. So wurden alle Sinne gleich zu Beginn voll gefordert, denn man musste nicht nur den Untergrund genau beobachten sondern auch gelegentlich den Kopf einziehen und die Lenkerenden gut im Auge behalten. Danach folgte ein netter Drop, den niemand so schön tweakte wie Sven Mumenthaler, über die Hügelkante zur Abfahrt über relativ festen Schnee, der aber bald schon anstrengende Spurrillen aufwies. Nach dieser Schussfahrt kam die eigentliche Verzögerungszone über nasse Pflastersteine, die aber von allen erfolgreich genutzt wurde. Von dort bog der Kurs in einen von Hecken gesäumten Kiesweg ein, um nach einer scharfen Links-Rechts-Kombination zu den Stufen des Pavillons zu führen, die trotz etwas Eis von allen mit Bravour gemeistert wurde.
Nur Michael Brönnimann hatte Pech, als er sich dort in der siebten Runde nach einem erfolgreichen Fluchtversuch einen Schlangenbiss einhandelte. Aber er sollte nicht der einzige bleiben, der mit den Tücken des Kurses zu kämpfen hatte: So erlag Benno Meiers Siegeswille bereits in der dritten Runde einem simplen Chain-Suck, was er dann umgehend sein Ritchey spüren liess und so lautstark kommentierte, dass die Rennleitung zur überzeugung gelangte, in das Inventar der mitgeführten Apotheke auch Sedative aufzunehmen. Ausser Res Zinniker, der sich einen kurzen Moment der horizontalen Gesichtspflege hingab, ist die Rundfahrt ohne bemerkenswerte Zwischenfälle verlaufen. Andrea Kocher als führende Frau im Gesamtklassement kam leider bereits in der zweiten Runde vom Kurs ab und musste deshalb sehr früh aufgeben. Wir bedanken uns trotzdem für die hartnäckige Teilnahme und hoffen auf mehr weibliche Mitstreiter in der nächsten Saison.
Nach der Schlüsselstelle Pavillon führte der Kurs über einen ansteigenden Singletrail zwischen Zypressen durch eine S-Kurve, die Rhythmuswechsel und etwas Taktik erforderte, denn je nach Linie konnte man in dieser Schikane ein bis zwei Plätze gutmachen. Dann führte der Kurs in einer langen Kurve zurück in die Startzone, wo es zu Positionskämpfen mit spektakulären Sprints bis ins Nadelöhr kam. Nur Sven Mumenthaler hatte sich dabei gegen Michi Maurer so übernommen, dass er danach aufgab um sich nicht übergeben zu müssen. Doch auch bei Michi Maurer hat diese Manöver anscheinend gravierende Spuren hinterlassen, so dass er eine Runde später weit abgeschlagen vom Feld ausschied. Erstaunlich auch die Leistung von Ilja Vislouzil, der sich bis zur 13. Runde tapfer im Verfolgerfeld hielt, obwohl er jede Runde wieder aufgeben wollte und nur unter den antreibenden Zurufen der Rennleitung weiterfuhr. Respekt an dieser Stelle nicht weil er der kleinste Teilnehmer ist, sondern weil er zum ersten mal auf einem Mountainbike unterwegs war.
In der Spitzengruppe kam es in Folge zu mehreren Positionswechseln, weil der Kurs Möglichkeiten zum Ausbremsen und überholen bot, die auch fleissig genutzt wurden. Und doch dominierte Reto Wälchli erneut das Feld so wie bisher den ganzen Grand Prix de Luxe und wurde wieder Erster. Man sieht hier die Ergebnisse von regelmässigem Training und einer soliden Ausbildung in der Querfahrschule und wir gratulieren mit Respekt und Achtung. Auch wenn nicht alle so ambitioniert sind wird ihm trotzdem nichts geschenkt, die Verfolger sind ihm immer verbissen auf den Fersen und es erstaunt immer wieder auf ein Neues, zu welchen Leistungen diese Freizeitsportler fähig sind. Ruhm und Ehre sind zwar gratis, gibt es hier aber bestimmt nicht umsonst. Adrian Brennwald war direkt vom Flughafen zum Parkmassaker gekommen und machte auf seinem neuen Gefährt eine sehr gute Figur, so dass er diesmal auf einen zweiten Podestplatz fuhr. überraschend auch Urs Krummenacher, der seine Vorbereitungen zum Züri-Marathon anscheinend ernst zu nehmen scheint: langatmig und diszipliniert sicherte er sich den dritten Platz. Jürg Fuhrimann liess sich drei Runden vor Schluss durch Corsin Caluori, mit dem wohl nächste Saison noch öfters in der Fluchtgruppe zu rechnen ist, und Res Zinniker distanzieren, der wiederum in der darauf folgenden Runde trotz seiner Schramme an Corsin Caluori vorbeizog und so doch noch Vierter wurde.
Alles in allem ein herrlicher Saisonabschluss und wir sind richtig stolz auf alle, die den Grand Prix de Luxe ernst nehmen und ihr Bestes geben. Wir sind auch allen Helfern zu grossem Dank verpflichtet, so diesmal Andri Cadient, der als Türsteher den Park vor Hunden und kleinen Kindern bewahrte, und besonders unserem Hoffotografen Giulio Grazzi, der bei Wind und Wetter schönste Bilder schiesst und einen grossen Teil der Atmosphäre und Impressionen allen die nicht da waren zugänglich macht und der Nachwelt erhält. Ein erneutes Dankeschön auch den zahlreichen Zuschauern, die unsere Sportler unterstützen und frenetisch anfeuern. Auch möchten wir uns noch mal bei unseren Sponsoren bedanken, die uns so hilfsbereit unterstützen und hoffentlich auch wieder nächste Saison an unserem Projekt gefallen finden: Velobörse, Indian Summer, Backyard, Wheelhouse, Transa, Radlos, Bäckerei Jung, Inka Druck, Praeser.ch und Aroma. Ein grosses Hallo auch an die Leute vom Amtshaus II, die unsere Serie zwar aufmerksam verfolgen aber bis jetzt keinen Handlungsbedarf sehen: Danke für die Toleranz und das Verständnis. Und danke auch allen Mitglieder der Parkmassaker-Kru, die trotz teilweise schwieriger Bedingungen immer wieder ihr Letztes geben, um diese Serie am Leben zu erhalten. Das Zusammenspiel all dieser Faktoren macht den Grand Prix de Luxe erst möglich und zu dem was er ist: ein grosser Spass für alle. Und das soll auch so bleiben.
Den Grand Prix de Luxe hat dieses Jahr eindeutig Reto Wälchli mit 950 Punkten für sich entschieden, auf dem zweiten Platz folgt Urs Krummenacher mit 650 Punkten und auf dem dritten Platz Patrick Wettstein mit 620 Punkten sowie einem Rennen weniger. Mit 220 Punkten wird Andrea Kocher erstplatzierte Frau, nachdem sie sich über die ganze Saison gegen extrem viele Konkurrentinnen hat durchsetzen müssen. Reto Wälchli erhält einen Gutschein für zwei Personen zum Brunch im Café Schober und einen Besuch im Hamam, beides im Niederdorf, und Andrea Kocher bekommt einen Gutschein für einen Coiffurebesuch bei Sfax Frisurenmacher an der Heinrichstrasse. Phänomenale Preise für grandiose Rundfahrten eben. Wir verabschieden uns an dieser Stelle und übergeben den Sommer den Leuten vom Pizza-Cup, bis wir uns im November wieder mit dem Grand Prix de Luxe zurückmelden werden.
Wir wünschen gute Fahrt und einen schönen Sommer.
Die Parkmassaker-Kru