An dieser Stelle möchten wir uns ausdrücklich für das atomare Wetter bedanken, dass die Umstände vom letzten mal um ein Vielfaches zu kompensieren vermochte. Unter strahlendem Himmel und mit einer glitzernder Glasur Neuschnee konnten wir das Projekt "Parkhaus Massaker" in Angriff nehmen, wobei der Name zum Glück überhaupt nicht Programm war: Abgesehen von ein paar unwesentlichen Ausrutschern ging die ganze Rundfahrt ausgesprochen geschmeidig über die Bühne, was nicht selbstverständlich war bei den herrschenden Bedingungen, die aus Eis, Schnee und versiegeltem Fliessbeton bestanden.
Das Einschreiben erfolgte Dank dem bedingungslosen Gehorsam aller Teilnehmer und dem militärischen Vorgehen der Parkmassaker-Kru ohne Wirren und Verzögerung, so dass der Spähtrupp die Strecke präparieren konnte während die Nachhut die Formalitäten erledigte und sich schlussendlich die ganze Gesellschaft pünktlich am westlichen Treppenaufgang zum Aufstieg besammelte. In Einerreihe und mit geschultertem Velo ging es bis auf das Dachgeschoss hinauf, neun ganze Stockwerke hoch. So konnte auch gleich die Startaufstellung der Velos vorgenommen werden und der Rennleiter beschloss mit dem Starterfeld sogleich den Rundkurs joggend zu erkunden, da durch die spezielle und sehr exponierte Lage jederzeit mit Repressionen der Obrigkeit zu rechnen war.
Der Kurs begann auf dem Oberdeck, mit einer wunderschönen Aussicht über die Dächer der Industrie-West von Zürich, tauchte nach einer Schleife über die "Maisonette-Ebene" in den Rachen des Parkhauses ein und führte nach sehr engen und rutschigen Rampen in den Bauch des Ungetüms. Dort wurden die Teilnehmer auf einer Hochgeschwindigkeits-Strecke mit Bodenwelle zu Positionskämpfen verführt, bis sie alle in einem halsbrecherischen U-Turn ihre Bremssysteme und die Kurventraktion ihrer Reifen prüfen durften. Danach ging es weiter auf die nächste Halb-Ebene hoch, die so offen gebaut ist, dass man als Mitglied der Fluchtgruppe immer die Verfolger im Auge behalten kann, da sich die Teilnehmer bei Auf- und Abfahrten mehrmals kreuzen. Von dort führte die Strecke wieder zurück auf das Dachgeschoss, vorbei an johlenden Zuschauern und dem Checkpoint der Rennleitung, um wieder in die Maisonette-Schleife einzubiegen, wo die spektakulärsten Slides zu beobachten waren, die an eine Mischung aus Speedway und Daytona erinnerten. Der ganze Kurs war so gut ausgeschildert und gesichert (grossen Dank auch für die Hilfe an Tom Hofstetter), dass sich auf keinen Fall jemand hätte verirren oder andere gefährden können.
Nach der Startaufstellung wurde die Rundfahrt auch gleich freigegeben, worauf sich das Starterfeld ungestüm und chaotisch auf die Strecke ergoss. Nach anfänglichem Durcheinander, wie das bei einem Le-Mans-Start eben vorkommen kann, hatte jeder sein Velo gefunden und viele waren auch schon gleich im Sattel und auf dem Weg zur ersten Abfahrt, während andere noch mit dem Aufstieg in die Maisonette-Ebene beschäftigt waren. Die üblichen Verdächtigen versuchten sich auch sogleich abzusetzen, was ihnen aber teils durch die Hartnäckigkeit der Verfolger, teils durch die falsche Reifenwahl erschwert wurde. Trotzdem zeichnete sich nach den ersten paar Runden ab, dass wer auf Profilreifen gesetzt hatte klar im Vorteil war, obwohl uns Sven Mumenthaler mit seinen Slicks zeitweise eines Besseren belehrte. Was wir von ihm zu sehen bekamen war pure Fahrtechnik und eine begeisternde Symbiose von Mensch und Maschine. Mit zunehmender Rundenzahl wurde das Teilnehmerfeld gelichtet und zu unsere Freude und Überraschung hielt sich Res Zinniker, unser Hof-Grafiker und Illustrator, erstaunlich gut und verbissen in der Fluchtgruppe, bis er nach einem unglücklichen Zwischenfall, bei dem er und Jürg Fuhrimann sich gegenseitig behinderten, auf den 4. Platz zurückfiel und in dieser Position auch das Rennen beendete. Reto Wälchli ergriff natürlich sofort die Gunst des Augenblicks, als er bemerkte, dass seine Kontrahenten für einen Moment nicht mithalten konnten, und setzte sich sofort über die gesamte Maisonette-Ebene ab. Darauf gaben sich Patrick Wettstein und Reto Wälchli an der Spitze ein erbittertes Tête-à-Tête, während die Verfolger in den hinteren Reihen sich auch nichts zu schenken versuchten. Für die Zuschauer, die erstaunlich zahlreich erschienen waren, war es ein grossartiges und unterhaltsames Erlebnis. Da die Sonne barmherzig die exponierten Körperteile in der klirrenden Kälte zu wärmen versuchte und der Kurs einen grosszügigen Einblick in den Streckenverlauf und somit das Verfolgen des Renngeschehen erlaubte, kamen alle auf ihre Kosten und erfreuten sich der grandiosen und faszinierenden Vorstellung.
Unter tosendem Applaus und mit den Glückwünschen ihrer Fans überhäuft kamen die Sieger Reto Wälchli, Patrick Wettstein und Jürg Fuhrimann halberfroren ins Fahrerlager zurück. Sie widmeten sich sogleich dem Glühwein, Gebäck und schneegekühlten Mountain-Dew und ihrem Beispiel folgten alle Anwesenden dankbar. Wir möchten an dieser Stelle noch mal auf die grosszügige leibliche Unterstützung durch Transa, die Bäckerei Jung und Claus Zimmermann hinweisen. Nach dem üblichen verbalen Austausch und dem Genuss von Spartys Ausschankkünsten wurde das Verlangen nach der Preisverleihung und der Siegerehrung in der Menge lauter, da sich anscheinend viele vor Messner'schen Zehen fürchteten. Zusätzlich zu den drei Podestplätzen durfte sich Res als Vierter einen Preis abholen, musste aber stellvertretend für die fehlende Andrea Kocher das Leader-Röckchen tragen. Dies tat er auch brav und ohne Murren; wir finden es steht ihm gut.
Wir danken recht herzlich Martin Meier als Kameramann und unseren Sponsoren Indian Summer, Wheelhouse, Backyard, Radlos und Velobörse für die Preise, Inka Druck für die tollen Plakate, Praeser.ch für die wirtschaftliche Unterstützung, Luzian Schlatter für die Kamera, Aroma für die Nummernschilder und Adrian Brennwald für die hilfsbereite Unterstützung der Logistik. Da sich dieser Rundkurs auf verschiedenen Ebenen bewegte, ist es uns nicht möglich einen Kartenausschnitt zu publizieren. Wir haben deshalb einen Film in Vorbereitung, der den Streckenverlauf erläutert sowie Höhepunkte des Renngeschehens hervorhebt und in Kürze hier herunterzuladen sein wird.
Ein Dankeschön auch auf ein Neues allen Teilnehmern, Zuschauern, Helfern und Fotografen, die uns immer wieder zu neuen Taten anspornen, um den Winter für alle Velophilen spannend und unterhaltsam zu gestalten.
Gute Fahrt wünscht die Parkmassaker-Kru