Für einmal war das Arboretum zwischen Vogelvoliere und Seebad Enge nicht mit spielenden Kindern oder sonnenbadenden Finanzleuten aus den umliegenden Wirtschaftszentren übersät, sondern lag einsam und verlassen unter einer frischen Schneedecke da, die leider nicht mehr ganz so knusprig war wie noch in der Nacht zuvor. Trotz Tauwetter und morgendlichem Sonnenschein sah es so aus, als wären wir wirklich nur unter uns und neben den bekannten und treuen Zuschauern so wie den 21 eingeschriebenen Teilnehmern würde niemand von unserer Aktion Notiz nehmen.
Doch leider wurden wir spätestens beim Besuch von zwei Vertretern der Seepolizei, eines Besseren belehrt, nämlich dass der Hundehalter, der sich wohl durch unsere Anwesenheit in seinem sonntäglichen, aber in der Stadt Zürich wohlgemerkt illegalen "Hund von der Leine lassen" beschnitten fühlte, nicht nur zum Spass halb hinter einem Baum versteckt und wild fuchtelnd am Handy argumentiert hat. Nun ja, dank unserer straffen Strukturen und den gut eingespielten Abläufen der ganzen PM-Kru kamen die Ordnungshüter gerade noch rechtzeitig um uns nur noch bei Glühwein und Gebäck anzutreffen. Ein paar besänftigende Worte seitens unseres Präsidenten Raffaele sowie der kalte Wind konnten sie wohl ziemlich simpel wieder zur Rückkehr in ihr sicher angenehm warmes Büro bewegen. Aber eben, beginnen wir doch beim Treffpunkt.
Nachdem die Parkmassaker-Kru zu ihrem grossen Erstaunen beim Erscheinen bereits fast das ganze Starterfeld in geschlossener Formation angetroffen hat (Bravo und Danke für die Pünktlichkeit), begaben sich nach den üblichen Formalitäten alle Richtung See zum Arboretum. Mit Benno als Streckenposten und Assistent der Rennleitung, da Markus leider nicht kommen konnte, war der Kurs schnell ausgesteckt und nach einer anfänglichen Schneeballschlacht, bei der Raffaele sehr empfindlich getroffen wurde, hat man den Rundkurs wie üblich gemeinsam abgeschritten.
Die Strecke zog sich von einem kleinen Hügel hinunter durch ein technisches Nadelöhr inmitten von drei gewaltigen Tannen, wobei nicht der holprige Untergrund sondern mehr die momentane Blindheit bei der Einfahrt ins Dunkle ein Handicap waren, obwohl Michael Seger in einer der letzten Runden mit dem Lenker hängen blieb und sich kurzfristig hinlegte. Dazu vielleicht später mehr. Weiter führte die Strecke zwischen zwei torförmigen Rabatten hindurch in ein kleines Wäldchen, in dem man beim durchqueren seine eigene Linie wählen konnte und somit auch ein überholen ermöglicht wurde. Nach einem Wendepunkt auf nasser, mit Wurzeln gespickter Erde ging es bis in die Mitte der Wiese, wo ein grosser Baustellenkegel die Leute in eine scharfe Linkskurve zwang. Danach ging es zurück bis fast an den Rand der Wiese, um dann in einer erneuten Wende einem buckligen Grat entlang und schliesslich an dessen Ende in einer geschwungenen Steilkurve auf den Hügel zu führen, von wo es wieder Richtung Nadelöhr ging. Eine lange und spannende Runde, in der sich Fluchtgruppe und Verfolger mehrmals kreuzen und sehen, was sicher den Ehrgeiz und die Spannung steigert, wie wir heute alle gut feststellen konnten.
Nach dem Le-Mans-Start, bei dem die Teilnehmer vom Hügel hinunter ihre etwa 30 Meter entfernt platzierten Velos erreichen mussten, zog sich das Feld nur langsam auseinander. Der Schnee schien schon ziemlich aufgetaut zu sein und die Reifen gruben sich gut darin ein, was leider auch ein paar nicht zu übersehende Spuren hinterliess. Aber Parkmassaker heissen nicht so nur von ungefähr. Auch die Kurven schienen alle Teilnehmer mit Leichtigkeit zu meistern: Erst gegen Ende der Rundfahrt, als der eine oder andere langsam von seinen Kräften verlassen wurde, sah man Fahrer und Velo den Kurvenradius ungebremst tangential verlassen.
Um ein frühzeitiges überrunden zu verhindern wies die Rennleitung Benno nach der ersten Runde an, den Wendepunkt auf der Wiese um etwa 20 Meter zu verschieben, so wurde der ganze Kurs gleich um einiges grösser und übersichtlicher. Erstaunlicherweise gab es diesmal nur drei Runden, in denen es zu überrundungen kam, sonst wurde immer nur der Letzte zur Beendigung seiner Leiden und Strapazen aufgefordert. So kommt es auch, dass obwohl am Taronga Parkmassaker einige Teilnehmer mehr eingeschrieben waren, hier fast genau so viele Runden wie dort gefahren wurden.
Unter den jubelnden und anfeuernden Zurufen der Schaulustigen und Fans blühten alle Fahrer zu Höchstleistungen auf und schenkten sich nichts. Hartnäckig versuchten alle ihre Position zu behaupten und nur jeweils die letzten beiden kämpften im Start/Zielbereicht energisch darum, wer sich noch eine weitere Runde mit den Favoriten messen darf. Diese zogen bereits nach der Hälfte des Rennens davon und wechselten sich anfänglich noch in der Führungsarbeit ab. Dann versuchte sich Reto Wälchli abzusetzen, der Sieger des Taronga Parkmassaker und des letztjährigen Grand Prix de Luxe, wurde aber von Reto Leupp nicht einfach so gehen gelassen. Verfolgt wurden die beiden von Michael Seger, der diese Saison wirklich in Form zu sein scheint, und Res Zinniker, der den besten Start erwischt hatte und die ersten Runden souverän das Feld anführte.
Nur hat Res leider zu spät erfasst, dass er sich bereits mit Michael Seger, der sich trotz unfreiwilligem Bodenkontakt im Nadelöhr so weit vorne befand, in der den dritten Platz entscheidenden Runde befindet, so dass dieser den von Res spontan unternommenen Angriffversuch aufs Podest ohne grössere Probleme abwehren konnte. Eine Runde mehr und es wäre zwischen den beiden wirklich noch mal spannend geworden, nachdem sie lange Zeit zu zweit unangefochten die Ersten vom Rest waren. Denn zu gross war bereits im dritten Viertel die Lücke zu Wälchli und Leupp, als dass noch an ein Einholen zu denken gewesen wäre. So kam es nicht ganz überraschend zur selben Siegerehrung wie beim letzten mal: Wälchli vor Leupp, gefolgt von Michael Seger und Res Zinniker, der diesmal auf dem undankbaren vierten Platz landete nach einem fünften beim Taronga Parkmassaker.
Dankbar waren dafür alle Zuschauer und Teilnehmer, als sie nach ein paar Tassen Glühwein und Tee, den uns wie immer Transa zur Verfügung stellte und der diesmal wieder von Wälde ausgeschenkt wurde, bei Res ein Plakat erwerben konnten, das er ihnen liebevoll und mit viel Geschick zum knitterfreien Transport nach Hause effizient einpackte. Auch das in grosszügiger Menge offerierte Gebäck der Bäckerei Jung fand allerhand Zuspruch, auch wenn sich die beiden anfänglich erwähnten Polizisten trotz freundlichster Einladung als einzige nicht dafür begeistern konnten. Gut hatte unsere ärztin Cécile sofort bei Ende der Rundfahrt alle Nummern eingesammelt, so dass die illustre Gruppe mehr einem Veloplausch als einem Parkmassaker glich und den Herren keinen Anlass zu weiteren Fragen und Kontrollen gab. Die Wiese wird im Frühjahr neu angesät, deshalb brauchen wir wegen den paar Gebrauchsspuren kein schlechtes Gewissen zu haben. Schlussendlich trafen auch noch weitere Freunde ein, die leider das ganze Spektakel verpasst haben, weil sie es nicht für nötig befunden hatten sich entsprechend zu informieren oder dachten, sie wüssten durch Eingebung wo das Koshikawa Parkmassaker stattfinden würde. Nun, wenn alles im Leben immer so einfach wäre, dann würden wir wohl kaum diese Serie veranstalten…
Die Preise wurden ohne grosses Zögern annektiert und ein Trikot von Backyard, ein Zubehör-Bundle von Biroma und ein Gutschein für einen Harass Goldsprint von Turbinenbräu fanden schnell ihre neuen Besitzer. Wir danken an dieser Stelle wie immer unseren Sponsoren, Freunden, Helfern und Sympathisanten für ihre freundliche Unterstützung und möchten auch wieder einmal ganz speziell Inka Druck erwähnen, die uns und euch diese wunderschönen Plakate ermöglicht haben, die man an jedem Anlass bei Res für 5.- Franken beziehen kann. Wie auch das Startgeld ist dies ein durchaus bescheidener Unkostenbeitrag um diese Serie Saison für Saison zu ermöglich, auf dass sie uns allen noch lange erhalten bleibe.
Bis zum nächstes mal und frohe Festtage
Die Parkmassaker-Kru