Ausgerechnet zur letzten Rundfahrt der diesjährigen Saison überzog Mutter Natur die Landschaft noch mal mit einer dicken Schneedecke, weshalb nicht nur das Starterfeld entsprechend klein war, sondern auch die Aussicht auf den Zürichsee vom Ort des Geschehens nicht unseren Erwartungen gerecht wurde. Trotzdem hatten rund 16 Teilnehmer und halb so viele Zuschauer den Weg ans Süd-Ende von Zürich gefunden und versammelten sich hier erwartungsvoll, um gemeinsam den bevorstehenden Abschluss zu zelebrieren.
Die Strecke bot einen Rundkurs mit Biss; kurz nach dem Start und einer Spitzkehre musste ein Hügel mit hartem Anstieg gemeistert werden, um sich dann auf dem Gipfel, markiert durch einen 150-jährigen Apfelbaum als Wendepunkt, wieder den Hang hinunter in die Tiefe zu stürzen. Dann folgte eine rutschige Schneise entlang der Tennisplatz-Einzäunung, in der mit grosser Vorsicht auf dem matschigen Kies manövriert werden musste, da einerseits die Geschwindigkeit reduziert und andererseits die Ideallinie zur Anfahrt der nächsten Kurve hätte gefunden werden sollen: Dies gelang leider nicht jedem Teilnehmer mit Bravour, sodass die zuschauenden Kinder am Rand mit lautem Gröhlen und einer offensichtlichen Schadenfreude applaudierten, als hätten wir sie zuvor absichtlich beim Schlitteln gestört. Nach einem Stück engem Fussweg führte der Kurs mit einer langgezogene Kurve in Schräglage durch einen entwässerten Teich, um dann wiederum beim Start vorbei den Hügel anzuvisieren. Dieser erwies sich schon bald als Schlüsselstelle und hat im Verlauf der Rundfahrt noch manchen ein paar Positionen gekostet.
Nach dem Start zeigte sich, dass die üblichen Verdächtigen sogleich versuchten, das restliche Feld zu distanzieren, was aber aufgrund der Verhältnisse nicht reibungslos funktionierte; auf dem teils eisigen Untergrund musste mit Gefühl beschleunigt werden, um nicht gleich mit durchdrehendem Hinterrad den Kurs unkontrolliert zu verlassen. So wurden Fluchtversuche durch den üppig liegenden Schnee bereits im Keim erstickt, bis sich Reto Wälchli, Res Zinniker, Uwe Trummer und Michael Seger doch langsam von den Verfolgern lösen konnten: Einige Runden schienen sie unzertrennlich und Res Zinniker sorgte an der Spitze für ordentlich Tempo, bis Reto Wälchli im Anstieg zum Hügel aus dem toten Winkel angriff und davonzog. Sichtlich überrascht musste Res ihn ziehen lassen, da durch die bereits erwähnten Umstände eine Verfolgung im Wiegetritt nicht möglich war. Lediglich Uwe Trummer, zum ersten mal mit dem Quer-Velo an einem Parkmassaker erschienen, hatte aufgepasst und hängte sich verbissen an das Hinterrad von Reto Wälchli und behielt diese Position dann auch bis zum Schluss.
Michael Seger befand sich jetzt zwischen Fluchtgruppe und Vefolger, kämpfte sich aber kontinuierlich an Res Zinniker heran, so dass dieser in der letzten Runde noch mal alles geben musste, um den Angriff von Michael Seger im Anstieg abzuwehren, der es um ein Haar noch auf das Podest geschafft hätte. Ein sichtlich gezeichneter Res Zinniker hatte zwar diesen Berg-Sprint für sich entschieden, musste aber den Rest der Runde die Beine hängen lassen, so dass er weit hinter Reto Wälchli, der Erster wurde, und Uwe Trummer, dem man die Anstrengungen überhaupt nicht ansah, ins Ziel kam.
Ausser ein paar unbedeutenden Stürzen, auch vor dem eigentlichen Start schon praktiziert, ging diese letzte Rundfahrt der diesjährigen Saison durchaus glimpflich über die Bühne. Trotzdem kamen alle Zuschauer auf ihre Kosten, auch wenn das Wetter ihnen nicht gerade freundlich gesinnt war. Im Anstieg zum Hügel kam es immer wieder zu Rivalitäten, so hatte sich auch Reto Clerici gegen Dominik Allenspach durchsetzen können, beides durchaus begnadete Figuren. Auch in der Schneise nach der Abfahrt konnte nur einer die Ideallinie besetzen und um es mit den Worten von James Dean kurz und bündig zu erläutern: Wer bremst, der verliert.
In der Senke, die in Sommermonaten den Spaziergängern als kleiner Teich bekannt ist, lauerte unter der Schneedecke noch ein Loch, dass wohl sonst den Abfluss darstellen soll. Wir entschuldigen uns an dieser Stelle für allfällige Überraschungen oder daraus resultierende Unannehmlichkeiten: Die Rennleitung übersah dieses Detail bei der Begehung der Strecke unabsichtlich.
Somit wurde nach elf zähen aber spannenden Runden Reto Wälchli Erster, der seine Blumenmädchen gleich selber mitgebracht hatte, Uwe Trummer Zweiter und Res Zinniker Dritter. Suma sumarum konnte Reto Wälchli so die Gesamtführung im lokalen Grand Prix de Luxe behalten und wird wie schon letztes Jahr mit einem Gutschein für einen Besuch mit Begleitung im Hamam belohnt (den Brunch im Schober gibt es nicht mehr, die wahren wirklich sehr unfreundlich zu uns). Zusätzlich nahm er als Tagessieger eine Flasche Wein mit nach Hause, während Uwe Trummer den Gutschein vom Backyard bevorzugte. Res Zinniker entschied sich für den Kasten Bier von Turbinenbräu, sodass der Gutschein von Biroma Michael Seger zukommt, der mit drei mal Dritter diese Saison eine Glanzleistung zeigte und das vierte mal nur um Haaresbreite verpasste. Christoph Vetter, der bereits vor dem Start die Tücken des Untergrunds entdeckte, bekam als Letztplatzierter von Chrigel Braun, Macher der Velo-Züri, einen Trostpreis verliehen, obwohl dieser selber in der dritten Runde bereits aufgeben musste. Trotzdem an beide ein grosses Kompliment, war doch Chrigel Braun mit Abstand der älteste Teilnehmer und Christoph Vetter der Herausforderer mit dem härtesten Gang: 42 - 18, Singlespeed.
Erstaunliches auch bei der PM-National-Wertung: Durch den strategisch geschickten Auftritt von Res Zinniker bei der letzten Veranstaltung unserer Verbündeten in Basel, konnte er die nötigen Punkte erzielen, um Reto Wälchli an der Spitze herauszufordern, auch wenn ihm dies beim Zorn Parkmassaker sichtlich schwerer fiel als erwartet. So ist dieses Jahr der erste Platz gleich doppelt belegt durch Reto Wälchli und Res Zinniker (mit einer Rundfahrt mehr), die beide je 740 Punkte vorzuweisen haben. Michael Seger befindet sich mit 630 Punkten auf dem dritten Platz und dann folgen die potentiellen Herausforderer Uwe Trummer, Reto Clerici und Dominik Allenspach. Reto Leupp wäre anhand seines Palmares durchaus auch ein Kandidat, würde er nur etwas regelmässiger erscheinen...
Wir möchten an dieser Stelle wieder ein mal betonen, dass ohne das Engagement der Teilnehmer, Helfer, Zuschauer und Sponsoren die Parkmassaker-Serie nicht zustande kommen würde. Deshalb danken wir allen herzlich für diese wunderbare Saison und hoffen, nächsten Winter daran anknüpfen zu können. Auch möchte ich, der grossmäulige Rennleiter, mich persönlich bei allen Kru-Mitgliedern und der Sektion Basel bedanken, dass sie an diese Serie glauben und sie weiterbringen. Auch Wälde vom Transa muss erwähnt werden, der dieses mal neben Tee und Glühwein auch noch Orangen bereitgestellt hatte, um alle Teilnehmer vor möglichen Folgen der Anstrengungen in dieser Kälte zu behüten. Danke auch allen, die sich nach durchzechter Nacht trotzdem aus dem Bett quälen und für ein einmaliges Spektakel sorgen. Ihr seid der Grund, dass wir weiter machen. Speziellen Dank auch an Res Zinniker, unseren Illustrator, der den Parkmassakern durch seinen einmaligen Pinselstrich erst ein Gesicht gegeben und Gestalt verliehen hat und Inka-Druck für ihr grosszügiges Entgegenkommen (alle Plakate sind bei Res immer noch für ChF. 5.- per Stück erhältlich).
Wir wünschen allen einen angenehmen Frühling und guten Sommer und hoffen, euch alle im November zum Auftakt der nächsten Saison wieder vollzählig am Start begrüssen zu dürfen.
Die Parkmassaker-Kru Zürich