Lange stand es in den Sternen, ob der Saison-Start der Parkmassaker-Saison 06/07 überhaupt termingerecht durchgeführt werden kann und einiges sprach sogar dagegen, doch auch wenn es in der Parkmassaker-Kru zu Personalwechseln und dadurch zu organisatorischen Turbulenzen kam, so verlangte doch das Volk, vertreten durch ein paar hartnäckig und neugierig fragende Teilnehmer der Many-Hill-Show, die Weiterführung der bereits legendären Parkmassaker-Rundfahrten und des Grand Prix de Luxe.
So kam was kommen musste und an einem aussergewöhnlich warmen 26. November, eigentlich meteorologischer Winteranfang, trafen sich bei 20° Celsius altbekannte und auch ein paar neue Gesichter zum Stelldichein vor der neuen Börse am Bahnhof Selnau. Nach gut einer halben Stunde hatten sich 19 Teilnehmer eingeschrieben, an dieser Stelle grossen Dank an Dominik Allenspach für seine administrative Hilfe, und das Sprichtwort "Die Letzten werden die Ersten sein" sollte sich für ein mal bewahrheiten.
Mit ein paar schaulustigen Zuschauern im Schlepp ging es dann gleich über den Badweg zum alten Botanischen Garten, wo zur grossen Überraschung aller Stammgäste auch die Parkmassaker-Kru-Mitglieder der letzten Jahren in geschlossener Formation auftauchten. Alle? Fast alle, Christoph kam ein bisschen später hinzu, schoss dafür aber ein paar wunderschöne Bilder. Sogleich wurde der Rundkurs erkundigt, da man sich auf heiklem Terrain befand, was die Toleranz der Anwohner und der Obrigkeit angeht. Teils mit Murren, teils mit Vorfreude machten sich die Teilnehmer gegenseitig auf mögliche Schlüsselstellen und Schwierigkeiten aufmerksam, so dass sie alle mehr wie eine Gruppe Freunde auf Klassenfahrt denn wie Rivalen kurz vor einem Rennen wirkten.
Leider war die Startgerade durch die Witterungsverhältnisse der letzten Nacht so rutschig, dass zum ersten mal auf einen Le-Mans-Start verzichtet werden musste. Um diesem Handicap trotzdem gerecht zu werden durften die Kontrahenten zwar ihr Velo bereithalten, für ein Hinlegen des Zweirads war einfach nicht genug Platz, mussten aber wortwörtlich mit beiden Füssen auf dem Boden bleiben. Trotz dieser kleinen Dereglementierung waren alle flexibel genug um sich den Änderungen anzupassen und freuten sich auf den exquisiten Kurs an solch exponierter und wunderbarer Lage.
Nach dem Startsignal, das dem hörbehinderten Marco Robustelli mittels Handzeichen und dem Rest durch ein Megaphon gegeben wurde, preschte das ganze Feld in Richtung Startgerade und reihte sich brav ein, um dann einer nach dem andern, weibliche Teilnehmerinnen waren leider trotz unseres verzweifelten Aufrufs nicht bzw. erst zur Siegerehrung erschienen (Yvonne, nächstes mal fährst du bitte mit!), durch die Museums-Schikane in den Aufstieg zum Ho-Chi-Minh-Pfad, da wo der armdicke Bambus wächst, einzubiegen und sich ohne Rücksicht auf Verluste mit aller Kraft hochzuhieven.
Oben angekommen galt es eine knifflige Passage, bestehend aus einem Bordstein, der in einem gemein steilen Winkel angefahren wurde, einem Stück nassem Rasen und zwei Metern uraltem und daher glattpoliertem Kopfsteinpflaster, zu meistern ohne dabei die Herrschaft über das Gefährt zu verlieren, was leider nicht allen auf Anhieb und ohne Probleme gelang. Reto Wälchli zeigte wieder mal in bester Quer-Manier wie man abspringt und das Velo im gestreckten Gallopp mit beiden Händen so führt, dass ein elegantes Aufspringen ohne Tempo-Verlust möglich ist. Eine zirkusreife Nummer, die da den am Wegrand applaudierenden Zuschauern geboten wurde. Auch Sven Mumenthaler, der CEO der Parkmassaker-Sektion Basel, Reto Clerici und Dominik Allenspach, der bis zum Schluss mit stoischer Ruhe und Besonnenheit seine Runden drehte, zeigten sich an dieser Stelle technisch begabt, indem sie bereits in der Anfahrt den Winkel so wählten und das Gewicht entsprechend verlagerten, dass ihre Route fast reibungslos in den anschliessenden Single-Trail mündete.
Leider forderte das Kopfsteinpflaster mit zunehmender Rundenzahl doch noch seinen Tribut; Michael Spörri zum Beispiel rechtfertigte sein schon fast zum Markenzeichen gewordenes Tragen seines schwarzen Integral-Helms. Auch ein paar Andere rutschten in eine dem Vortrieb entgegengesetzte Richtung und manches nigalenagelneu funkelndes Schaltwerk bekam hier seine ersten Gebrauchsspuren. So musste Alexander Wyss mit seinem wunderschönen aber leicht lädierten Ritchey bereits in der sechsten Runde aufgeben und Simon Seger kam in der zwölften Runde mit geschultertem Bike im Laufschritt über die Ziellinie.
Im Single-Trail fanden sich die Teilnehmer ohne grosse Komplikationen zurecht; es galt auf einer Anhöhe einen kleinen Wasserlauf, gesäumt von glitschigen Steinen, zu überqueren, während unterhalb in entgegengesetzter Richtung die Fluchtgruppe bereits das Weite suchte. In dieser wurden die Positionen im Lauf der Rundfahrt regelmässig getauscht, so dass es für die Rennleitung wie auch alle Zuschauer bis zum Schluss spannend blieb. Auch die Haarnadelkurve bei Start/Ziel forderte den Fahrern einiges ab, so dass von technischen Raffinessen bis zu zum Sturz führenden Behinderungen alles zu sehen war.
Während die Gesichter vieler Fahrer langsam vom Schmerz verzerrt und den Anstrengungen gezeichnet waren, mit Ausnahme des bereits erwähnten Dominik Allenspach, dem Überhaupt nichts anzumerken war und der als Vierter das Rennen beendete, schaffte es Reto Wälchli doch tatsächlich bei jeder Durchfahrt auch noch den Zuschauern lächelnd zuzuwinken. Wie man sieht eine erfolgreiche Strategie, distanzierte er doch in der letzten Runde Corsin Caluori, der Zweiter wurde, und Lukas Zwicky, dessen Rundfahrt auf dem dritten Platz endete, mit Elan und Bravour. Ein weiteres mal wird Reto Wälchli bereits nach dem ersten von vier Anlässen als heimlicher Favorit gehandelt. Hoffen wir deshalb auf die Teilnahme weiterer Fahrer, die seiner Technik das Wasser reichen können, wie Reto Leupp dies auch schon bewiesen hatte.
Nach diesem klaren Ergebnis machte sich auch bei den Veranstaltern Erleichterung breit, da keine Störung durch Ordnungshüter oder aufgebrachte Spaziergänger stattgefunden hatte und sich nun alle auf die oberste Ebene des alten Botanischen Gartens in die Sonne begeben konnten, wo bei Glühwein von Transa, liebenswürdigerweise von Michael Seger ausgeschenkt, Gebäck von Jung und leicht irritierten Schmetterlingen die Siegerehrung stattfand. Reto Wälchli als Erster entschied sich für die Handschuhe von Biroma, Corsin Caluori eignete sich das Stoffbanner mit der aktuellen Ilustration an, produziert und gesponsert von formlabor, vor Ort vertreten durch Dominik Strahlhofer, und Lukas Zwicky erfreute sich am Parkmassaker-Shirt aus der Fabrikation von Chris Hart bzw. Airflow. Der Harass von Turbinenbräu ging als Trostpreis an Tobias Wirz, der als Rookie auf einem fremden Velo und nach durchzechter Nacht gerade mal eine einzige Runde schaffte, danach aber dafür ein paar Bilder zum Foto-Fundus beisteuerte. Das Trikot von Backyard fand diesmal keinen Abnehmer und wird bei der nächsten Rundfahrt wieder zur Wahl gestellt.
Nach Applaus und Dankesreden tratschten die Leute noch eine Weile zufrieden aber sichtlich müde und machten sich dann bald auf den Heimweg, um hoffentlich beim nächsten Parkmassaker wieder so gutgelaunt zu erscheinen. Wie immer danken wir vorallem unseren Sponsoren und Zuschauern sowie allen Teilnehmern, dass sie die Parkmassaker am Leben erhalten. Diesmal möchten wir aber auch noch ganz speziell die ehemaligen Kru-Mitglieder Cécile, Christoph und Raffaele erwähnen sowie unsere Neuzugänge Benno und Markus. Wir verbleiben mit sportlichen Grüssen bis zum nächsten mal in Basel oder Zürich und wünschen bis dahin gute Fahrt.
Die Parkmassaker-Kru Zürich