Die letzten drei Rundfahrten fanden unter dem angenehmeren Resultat der Klimaerwärmung statt, weshalb wir diesmal brutal und gemein an die negativen Folgen unseres unbedachten Erdendaseins erinnert wurden: Kaum waren alle Teilnehmer und Zuschauer zum Einschreiben angetreten, ergoss sich der Himmel wie aus Eimern über uns und der eisige Wind peitschte uns die grossen Tropfen mit gnadenloser Härte ins Gesicht. Trotzdem kniff keiner der Anwesenden und sogar eine einzige Frau konnte von der Idee des Mitmachens auch durch die widerlichen Bedingungen nicht mehr abgebracht werden.
Nach ein paar organisatorischen Schwierigkeiten, verursacht durch nasse Formulare, kurzgeschlossenen Kameras und vergessen gegangenes Equipment, konnte die ganze Versammlung inklusive Kleinkindern auf das Schlachtfeld geführt werden, das einer kargen Mondlandschaft gleich feindlich und trostlos zwischen Autobahn und Naherholungsgebiet lag. Trotzdem bot das Areal der ehemaligen Ütliberg-Tunnelbaustelle die Möglichkeit den Kurs für ein mal gross und abwechslungsreich zu gestalten, so dass alle, die sich bis jetzt immer über zu kurze Rennen beschwert hatten, ein und für alle mal zum Schweigen verdammt wurden.
Der Kurs führte diesmal vom Start unter der Fussgängerbrücke auf eine Kies-Rampe, die in einen holprigen Single-Trail um ein eingezäuntes Natur-Reservat zur Förderung der Bio-Diversität mündete, der dann nach etwa 200 Meter an einem in sanfter Schräglage zu traversierenden Hügel zunehmend verschlammte und schlussendlich auf den einzigen asphaltierten Streckenabschnitt führte. Wieder unter der Brücke hindurch ging es dann in einer scharfen Rechts-Kurve im Linksverkehr einen steilen Schutt-Berg hoch, um oben einen Pilonen als Wendepunkt zu umrunden, bevor auf der selben Rampe die Abfahrt in Angriff genommen werden konnte, die dann kurz vor Schluss links über einen sandigen und rutschigen Abhang wieder auf festeren Untergrund führte. Dieses Teilstück wurde in den ersten Runden von vielen Fahrern erst mit äusserster Vorsicht erkundet, so dass man auch wieder mal getragene Fahrräder sah, und die paar spektakulären aber glimpflich verlaufenden Stürzen rechtfertigten diese Massnahme durchaus. Mit zunehmender Bodenverdichtung und richtungsweisenden Spurrillen wurden dann aber alle etwas mutiger und auch die Querfahrer stürzten sich todesverachtend und mit Schwung in die Tiefe.
Unten angekommen galt es über eine bucklige Piste den Hügel zur Hälfte zu umrunden, bevor man in einer langgezogenen Gegenkurve das Areal kurz verliess, um dann mit Schuss die grasige und mit Maulwurfshügeln und Schärmauslöchern gespickte Moräne, eigentlich ein Humus-Depot, zu bewältigen. Am Ende dieser erwartete die Fahrer wieder eine kleine Abfahrt, die durch eine eigenwillige Linienwahl nicht von allen mit Bravour gemeistert werden konnte. Dann kam das Land der Wasserlöcher und Steinhaufen, durch das sich jeder etwas anders mogelte. So zeigte Reto Wälchli erneut, dass der kürzeste Weg nicht immer gleich der schnellste ist. Aber zu ihm später etwas mehr.
Nach dem Durchqueren des "Wasteland" schloss sich der Kreis und die Teilnehmer kamen wieder unter der Brücke durch, die als Start/Ziel galt und worauf der Parkmassaker-Spähtrupp postiert war und mittels Megaphon den Rennverlauf kommentierte. Dieser Rundkurs war mit 1.1 km wohl die längste aller bisherigen Rundfahrten, wie uns Uwe Trummer anhand seines EMPA-geeichten und ISO-zertifizierten Bordcomputers mitteilte. So dauerte dieses Rennen auch viel länger als alle bisherigen, was bei den herrschenden Konditionen die Fahrer wirklich an den Rand ihrer Belastbarkeit brachte. Alle? Nein, nicht alle, da war ein kleines Grüppchen von unbeugsamen Übermenschen...
Leider konnte Remy Fabrikant, der Sponsor des phänomenalen saisonalen Hauptpreises, einer Doppellektion Power-Spinning im Puls 5 mit anschliessendem Extrem-Relaxing für den Sieger des Grand Prix de Luxe plus Begleitung, nur eine einzige Runde mitfahren, da ihn eine Verkettung widriger Umstände zur vorzeitigen Aufgabe zwang. Als Spinning-Instruktor ist er aber zu weitaus mehr fähig, wie der Verfasser dieser Zeilen auch schon am eigenen Leib erfahren durfte. Auch Christoph Vetter, Parkmassaker-Veteran erster Stunde, musste sich bereits in der zweiten Runde verabschieden, da ein gerissenes Kettenglied ein weiteres Vorwärtskommen verhinderte. Als nächster purzelte Uwe Trummer vom Rad, der ein paar tiefe Kratzer an beiden Waden als Andenken mit nach Hause nahm, dies aber mit der von ihm bereits gewohnten Lässigkeit einfach wegsteckte. An dieser Stelle möchte ich an die gebrochene Gabelkrone im Gorky-Park erinnern...
Viele Fahrer kamen völlig durchfroren mit weissen Knöcheln und klammen Fingern ins Ziel, nur dem halbnackt fahrende Robin Grandy, im Vorfeld und nach seinem grandiosen Sieg im Kapi'olani-Park als Herausforderer des Gesamtklassement-Führenden Reto Wälchli gehandelt, schien die Kälte nichts auszumachen; grinsend und mit stoischer Ruhe drehte er seine Runden, auch wenn nach der Hälfte des Rennens klar wurde, das Reto Wälchli einfach über die grösseren Reserven verfügte. Dieser entschied dann auch den Saison-Abschluss für sich und gewann somit ein weiteres mal alle Rennen, an denen er teilgenommen hatte. Mit diesem letzten Sieg entschied er auch den diesjährigen Grand Prix de Luxe für sich, womit ihm als erster der GPDL-Hattrick gelang. Wir gratulieren und zollen ihm tiefen Respekt für diese Leistung.
Robin Grandy orientierte sich dann auch zunehmend nach hinten, wo ein verbissen aufholender Stefan Hess jede Runde gefährlich näher kam. Dieser fuhr zu aller Erstaunen ohne Handschuhe, weshalb er auch mit weiss-blauen Fingern schlussendlich als Dritter ins Ziel kam, nachdem Robin Grandy doch noch Zweiter wurde. Chris Hart winkte alle Gewinner mit viel Aufruhr ab, nachdem er noch mit grossem persönlichem Einsatz am Abend vor dem Rennen die Pm-National-Checker-Flag produziert hatte. Wir sind ihm und seiner Freundin für den aussergewöhnliche Einsatz sehr dankbar.
Nach dem ganzen Spektakel begab sich die ganze Gesellschaft unter der lenkenden Obhut der Parkmassaker-Kru zum Restaurant Kantine, wo in der erst neulich fertiggestellten Fussgängerunterführung zur Kanalstrasse, da wo irgendwann mal der Bike-Park gemäss städtischen Zusagen und Versprechen entstehen soll, das von der Bäckerei Jung zur Verfügung gestellte Gebäck in bester Pichnick-Manier auf einem bereitgestellten Gabentisch drapiert wurde, bevor ihm die von Remy Fabrikant und seiner Frau gebackenen und offerierten Schoko-Muffins den Rang abliefen. Den Glühwein hatten diesmal Raffaele und Michalis gebraut, da sich Benno temporär zu Höherem berufen fühlte, gesponsert wurden die Zutaten aber wieder von Transa.
Als Höhepunkt der Saison dann die Preisverleihung im angrenzenden "Amphitheater", das ein altertümlich orientierter Architekt direkt neben den Pony-Hof gebaut hat. Ines Dominitzki wurde erstplatzierte Frau und ist punktgleich mit Corinne Durscher Leupp, die leider nicht teilnehmen konnte, da sich ihr Mann und Parkmassaker-Kassier Markus im Teilnehmerfeld befand und sich ein Elternteil ja um den kleinen Niels kümmern muss. Ines erhielt das Stoff-Banner mit der aktuellen Illustration, gefertigt von Domink Strahlhofer für formlabor und durfte sich kurz mit dem Leaderinnen-Röckchen schmücken, welches aber nächste Saison wieder hart erkämpft werden muss.
An nächster Stelle dann die Krönung von Reto Wälchli als Sieger des Duhaney Parkmassakers, des Grand Prix de Luxe und der PM-National-Wertung. Er erhielt als erstes das wunderschöne Trikot von Backyard, dann das PM-National-Shirt von Chris Hart und schlussendlich noch den Gutschein von Biroma, der in Absprache mit Greg Kowner einzulösen ist. Robin Grandy, mit dem auf Platz drei befindlichen Stefan Hess aus Basel angereist, bekam eine technisch raffinierte Trinkflasche von Camelbak, die ebenfalls von Backyard zur Verfügung gestellt wurde. Stefan Hess erhielt dann als letzter der drei Sieger einen Gutschein von Turbinenbräu für einen Harass Bier nach Wahl. Wir hoffen, dass er nicht nur deswegen wieder mal auf unserem Breitengrad auftaucht, gerne würden wir ihn auch bei einem unserer bevorstehenden Sommer-Events begrüssen.
Für alle, die dabei waren oder gerne dabei gwesen wären, gibt es hier einen Film zum Thema Duhaney von Daniel Boschung zu sehen. Grossen und herzlichen Dank möchten wir auch speziell Ariane Schönbächler aussprechen, die als Flaggen-Mädchen das Start-Signal gab und uns als Gaben-Fee bei der Preisverleihung sehr tatkräftig unterstützte.
Wie immer möchten wir uns an dieser Stelle wieder vorallem bei den Teilnehmern, Zuschauern und der Parkmassaker-Kru sowie der Sektion Basel bedanken. Ein weiteres grosses Lob an unsere Sponsoren, die uns immer noch grosszügig unterstützen. Wir freuen uns über eine erfolgreiche und gelungene Saison und hoffen, nächstes Jahr eine weitere Stadt in unsere Reihen aufnehmen zu können.
Wir verbleiben wieder mit sportlichen Grüssen und wünschen allen einen wunderschönen Frühling und tollen Sommer. Sicher lassen wir schon vor Saison-Start 07/08 wieder etwas von uns hören und sind wie immer für die eine und andere Überraschung zu haben.
Die Parkmassaker-Kru Zürich