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Kapi'olani Parkmassaker

28.01.2007

Nachdem uns die Kälte im neuen Jahr doch noch mit der Unbarmherzigkeit einer Horde Roter Khmer im Blutrausch überfallen hatte, schien wenigstens dem winterlichen Aspekt der Parkmassaker Genüge getan zu werden, indem der Rundkurs bei unserer Besichtigung mit fast 20cm knirschendem Neuschnee überzogen war und der, mit dem nötigen Zweckoptimismus betrachtet, schon beinahe als Kompensation für die lauen und doch eher spätsommerlichen Bedingungen der ersten beiden Rundfahrten der diesjährigen Saison interpretiert werden konnte.

Als die 15 Teilnehmer inklusive grosszügiger Entourage zum Ort des Geschehens schritten, war von der winterlichen Idylle nur noch ein kläglicher Rest übriggeblieben, dafür schien die Sonne und liess Schloss Hürlimann noch mal im Glanz längst vergangener Tage erstrahlen. Schmelzwasser und Rest-Schnee versprachen die Rundfahrt zu einer rutschigen Angelegenheit werden zu lassen, so dass sich viele Zuschauer auf spektakuläre Manöver freuten und die Fahrer wussten, dass diesmal ihr ganzes technisches Können gefordert würde.

Der Kurs zog sich nach dem Start auf dem Hoch-Plateau um einen riesigen, sicher 100-jährigen Haselstrauch als Wendepunkt, führte dann über eine leicht abfallende Kuppe in eine steile, am Hang liegende Linkskurve auf einen Singletrail, der dem Hang entlang zu einer umgestürzten Pappel führte, von wo die Fahrer versuchten die holprige Abfahrt mit möglichst viel Tempo zu meistern, um so weit als möglich in das darunter liegende Baseball-Feld zu gelangen, um sich auf dem extrem bremsenden Untergrund nicht um den Verstand pedalieren zu müssen.

Denn am anderen Ende der Fläche führte der Kurs in einen Flaschenhals, so dass nur wer in der Ebene Plätze gutmachte den folgenden Aufstieg einigermassen unbeschwert angehen konnte; wer zu spät kam, der musste hinten anstehen. Auf Asphalt führte die Strecke als Serpentine den Hügel hoch und auf halbem Weg zwangen zwei Spitzkehren die Fahrer zu Rhythmus-Wechsel, bevor ein paar kleine Stufen ihnen den Rest gaben und sie zum Schluss noch über einen seifigen Pfad wieder zu Start/Ziel gelangten.

Seit Jahren hatten wir zu unser aller Verblüffung wieder mal eine Frau am Start: Corinne Durscher Leupp, die Frau unseres Kassier Markus, Mutter ihres gemeinsamen Sohnes Niels und Schwester von Reto Leupp, der als Einziger bis jetzt dem amtierenden Parkmassaker-Leader Reto Wälchli das Wasser reichen konnte (Okay, Patrick Wettstein und Adrian Brennwald hätten wohl auch das Zeug dazu), hatte sich entschieden das Eis zu brechen und uns vom Fluch der frauenlosen Rundfahrten zu befreien. Früher im Crosscountry-Spitzensport daheim forderte die Baby-Pause wohl konditionell ihren Tribut, technisch ist die Dame aber immer noch so versiert, dass sich auch der als Erster ausscheidende und von Corinne noch kurz vor Start/Ziel distanzierte Tobias Jakob davon ein Stück abschneiden könnte.

Leider konnte Reto Wälchli nicht zum Kapi'olani erscheinen, sah sich aber durch den Punktvorsprung in der Gesamtwertung nicht in seiner Position als Leader und Anwärter auf den Saisonsieg gefährdet. Auch wenn es zur Begegnung Leupp-Wälchli gekommen wäre, so wäre diese wohl diesmal zu Gunsten von Reto Wälchli ausgefallen, da Reto Leupp zwar seine damalige Top-Form etwas verloren hat, nicht aber seinen überaus ansteckenden und extrem trockenen Humor. Auch im übrigen Feld kam es zu einigen Überraschungen; so war Christoph Vetter, Parkmassaker-Mitbegründer und Bike-Ikone, mit einem 29"-Surly angetreten, das die andern Bikes daneben wie Kinder-Velos ausschauen liess. Erfreulich auch, dass sich immer mehr Teilnehmer für ein klassisches Quer-Velo entscheiden, auch wenn der aus dem Nichts aufgetauchte Robin Grandy auf einem Hardtail diese Rundfahrt für sich entschied und in der letzten Runde so den Hügel runtersauste, als hätte er zum Schluss noch einen Raketen-Motor gezündet.

Zu grossen Überrundungen kam es nicht, da der Kurs sehr grosszügig gewählt war und sich das Feld unbekümmert in die Länge ziehen konnte. Lediglich im Anstieg wurden im Verlauf des Rennens ein paar mal kurz vor Start/Ziel die Letzten von der Spitze überholt, die Betreffenden waren aber sichtlich froh, diese Rundfahrt endlich beenden zu dürfen. Langsam aber stetig lichteten sich die Reihen der Teilnehmer und nur Robin Grandy schien immer noch auf der Flucht, als sei der Teufel hinter ihm her. Hartnäckig verfolgt wurde er aber nur noch von Uwe Trummer, der jede Runde etwas mehr auf Robin verlor, sich aber in der ersten Hälfte der Rundfahrt nach hinten ein gutes Polster geschaffen hatte, so dass er den zweiten Platz eigentlich locker hätte heimfahren können. Dahinter folgte Martin "Tinu" Schütz, der sich mit einer teils etwas eigenwilligen und kreativen Kurvenwahl profilierte, alles aber im Rahmen einer legalen Interpretation der Streckenführung. Besagte Schlüsselstelle wurde aber nicht von allen mit Begeisterung goutiert; so legte sich auch Christoph Vetter seitlich in den Matsch, was ihn als alten Hasen aber nicht davon abhielt, danach die verlorenen Plätze im Anstieg mit einem Zwischensprint wieder gut zu machen.

Ein mal mehr konnte die Apotheke geschlossen bleiben und wir freuen uns, dass neben Ehrgeiz und Rennfieber die Vorsicht, Rücksicht und vorallem der Spass im Vordergrund stehen, so dass auch unsere ehemalige Ärztin und Web-Mistress Cécile unbkümmert das Spektakel geniessen konnte. Auch die zuvor noch am Hang schlittelnden Kinder, zur Pause bestochen mit der Aussicht auf Gipfeli und etwas Glühwein (alles in einem vertretbaren und pädagogisch wertvollen Rahmen) verfolgten das Treiben mit Begeisterung und feuerten die Teilnehmer frenetisch an. Obwohl die Mimik der Fahrer mehr an "Gesichter des Schreckens" erinnerte, scheinen sie diese Zurufe als Motivation zu schätzen und bedanken sich oft nach den Rennen für diese Art der Unterstützung.

Als auch der letzte Streckenposten auf dem Hoch-Plateau eintraff machte sich die ganze Schar wie ein biblischer Heuschreckenscharm über das von der Bäckerei Jung zur Verfügung gestellte Gebäck her, ohne dass es dabei aber zu kinderheimischen Szenerien gekommen wäre. Die Parkmassaker-Gemeinschaft scheint über die Jahre zusammengewachsen zu sein und auch Neulinge werden mit offenen Armen und estaunlich warmherzig empfangen: Keine Spur mehr von den kompetitiven Rivalitäten, die noch kurz zuvor während der Rundfahrt herrschten und keiner dem andern auch nur einen Zentimeter freiwillig schenkte. Den Glühwein hatte wieder Benno für Transa gebraut in Absenz von Peter, der sich jetzt intensiv um seinen Familienzuwachs kümmern muss.

Als alle Mäuler gestopft, alle Füsse und Hände gewärmt und alle Gesichter zufrieden waren, schritt man zur Preisverleihung, die natürlich von Corinne Durscher Leupp als erstplaziete Frau angeführt wurde. Sie wählte die (bösen Zungen zu Folge von Kindern in Fern-Ost) handgenähte Satteltasche von Brooks, die uns von Backyard als Preis überlassen worden ist. Robin Grandy, der eigentlich aus Basel stammt, in Zürich aber zu Studienzwecken als Wochenaufenthalter ansässig ist, griff sich als Erster die Pizza-Cup-Trilogie auf DVD und ein Anti-Skunk-Duschmittel, beides von Biroma. Uwe Trummer als Zweiter schnappte sich das Parkmassaker-Hemd in schickem Safari-Khaki, das Chris Hart von Airflow wieder mit viel Liebe für uns produziert hatte. Martin Schütz durfte sich nun endlich auch so ein wunderschönes Stoff-Banner mit der aktuellen Illustration, gefertigt von Domink Strahlhofer für formlabor, mit nach Hause nehmen, nachdem Reto Wälchli es ihm bei der Stanley-Preisverleihung vor der Nase weggeschnappt hatte. Der Harass Turbinenbräu geht diesmal an Tobias Jakob, auf Carlos Lenz wartet vom letzten mal immer noch ein Gutschein.

Wie immer möchten wir uns an dieser Stelle vorallem bei den Teilnehmern, Zuschauern und der Parkmassaker-Kru sowie der Sektion Basel bedanken. Ein grosses Lob an unsere Sponsoren, die uns weiterhin grosszügig unterstützen. Wir hoffen, dass zur letzten Rundfahrt der diesjährigen Saison noch ein paar Frauen dem Beispiel von Corinne folgen und am 25. Februar zahlreich zum Abschluss des Grand Prix de Luxe erscheinen. Auch in den vorderen Rängen des PM-National bleibt es spannend und ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Wir verbleiben wieder mit sportlichen Grüssen und freuen uns schon jetzt auf die Verleihung des saisonalen Hauptpreises durch Remy Fabrikant, der an diesem letzten Rennen auch selber teilnehmen wird.

Die Parkmassaker-Kru Zürich