Ganze zehn Teilnehmer tauchten an diesem letzten Tag des Jahres pünktlich am Treffpunkt auf und entgegen unseren Hoffnungen und dem mehr als deutlichen Aufruf leider keine einzige Teilnehmerin. Lag es an der Illustration von Roger Zürcher, die vielleicht als frauenfeindlich interpretiert wurde?
Nun, bei der polarisierenden Dame handelt es sich um eine Meerjungfrau und die pflegen, altem Seemansgarn zufolge, des öftern oben ohne baden zu gehen. Künstlerische Freiheit heisst deshalb so, weil wir den Illustratoren keine gestalterischen Vorgaben machen und das wird wohl auch in Zukunft so bleiben. Trotzdem freuen wir uns alle, dass ein paar hartgesottene Parkmassakerianer sich dazu entschlossen hatten, diesen Silvester mit einer kompetitiven Rundfahrt einzuläuten.
In Absenz des Autors dieser Zeilen übernahmen Benno und Raffaele interims das Zepter und hiessen alle herzlich willkommen, auch solche die in der Hektik der Rennvorbereitungen ohne Börse aus dem Haus gegangen waren. Nach den üblichen Formalitäten zog der illustre Trupp von der Europa-Brücke ans Ende der Werd-Insel, wo sich bei gemessenen 17° in der Sonne auch ein paar Zuschauer einfanden, um das Spektakel in dieser schönen Umgebung bei schon fast sommerlichen Bedingungen zu geniessen.
Entschlossen dirigierte Benno das ganze Starterfeld sofort zur Besichtigung des Rundkurses über Stock und Stein, um die Teilnehmer auf technische Passagen, knifflige Schlüsselstellen und Überholmöglichkeiten aufmerksam zu machen. Währenddessen koordinierte Raffaele die Zuschauer und Fotografen, damit jeder auf seine Kosten kommen konnte und auf keinen Fall ungünstig im Weg stand. Kurz darauf folgte auch schon das Startsignal und das Feld machte sich sofort auf und davon. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl wurde die erste Runde neutralisiert, so dass sich altbekannte Favoriten plötzlich in den hinteren Rängen wiederfanden.
Der Rundkurs führte vom Start her über eine bucklige Wiese, die in einen leichten Abhang zum Flussufer mündete, der aber doch so weit erhoben war, dass man den Einstieg in den folgenden Singletrail erst nach queren eines bremsenden Kiesbettes erkennen konnte. Im Singletrail angekommen mussten sich alle einreihen, da sich der sandige und von Grasbüscheln gesäumte Weg nicht zum überholen eignete. Es galt hier mehr möglichst viel Schwung mitzunehmen und auf die eigene Balance zu achten, was Chrigel Braun, obwohl gerade Geburtstagskind, bereits in der ersten und in der sechsten Runde auch Christoph Haag erfahren mussten, als eine Position zu gewinnen. Am Ende dieser Insel-Passage musste wieder eine Bank mit Flusskies und etwas Sand überquert werden, bevor die Strecke den Hang auf einen mit Rollsplit belegten Weg hochschoss. Hier hatten alle die Möglichkeit ihren Vordermann zu überholen, sofern ihnen die ständigen Rhythmus-Wechsel noch nicht zu heftig zugesetzt hatten.
Kaum hatten die Fahrer ihre Spitzengeschwindigkit erreicht, zwang sie die Strecke über eine steile Klippe mit Stufen in eine 90°-Kurve zu einer morastigen Serpentine, die sich von Grasnarben begrenzt um ein paar Bäume schlängelte. Von da ging es zurück auf den Rollsplit-Weg, der sich ca. 120m bis zu einer kleinen Baumgruppe zog, die in einer Spitzkehre als Wendepunkt umrundet werden musste, bevor die Strecke wieder über die Wiese zu Start/Ziel führte.
Nach dem ersten Tumult führte Reto Spörri das Feld die ersten Runden mit Bravour an, bevor er nach hinten durchgereicht wurde und Martin "Tinu" Schütz die Führung mit einer viertel Runde Vorsprung übernahm. Diese Stellung hielt er auch hartnäckig bis fast zum Schluss während hinter ihm fleissig die Positionen getauscht wurden. Reto Clerici zeigte mit Elan, dass er nicht nur auf dem Bike eine gute Falle macht sondern auch auf seinem neu aufgebauten Quer-Velo agil und schnell ist. Für Carlos Lenz lief es leider nicht ganz so gut, er schien sich mit seinem Quer-Velo und den Gegebenheiten doch etwas schwer zu tun. Trotzdem an dieser Stelle ein Kompliment an alle, die sich mit einem Quer-Velo an ein Parkmassaker getrauen.
Wie schon erwähnt stürzte Chrigel Braun bereits in der zweiten Runde, was für ihn den vorzeitigen Abbruch seiner Avancen bedeutete. Als erfahrenster Teilnehmer dieser Rundfahrt und Gründungsvater des Pizza-Cup möchten wir ihm noch nachträglich zum Geburtstag gratulieren. Christoph Haag machte sich auch mit den Newtonschen Gesetzen vertraut, nachdem er in der Fluss-Passage krampfhaft versuchte sich gegen seinen Team-Gefährten Rolf Kägi zu behaupten. Beide sind aus Winterthur angereist und waren schon lange nicht mehr an einem Parkmassaker anzutreffen, was uns zum Jahresabschluss natürlich ganz besonders freut.
Gegen ende dieser Rundfahrt schien es tatsächlich so, als würde Martin Schütz zum ersten mal einen Sieg heimfahren, da der Abstand zu seinen Verfolgern, Reto Clerici auf dem zweiten und Reto Wälchli auf dem dritten Platz, seit ein paar Runden konstant gblieben war. Doch durch eine kleine Unachtsamkeit von Reto Clerici, der schon vorher versucht hatte Reto Wälchli die Führung aufzudrängen, um dann startegisch aus dem Windschatten angreifen zu können, wurde Reto Wälchli bevorteilt und startete den Turbo. Er zog an Reto Clerici vorbei und schloss zu Martin Schütz auf, obwohl der auf der letzten Runde bereits in die Gegengerade einbog. Diesem blieb nur das erstaunte Nachsehen, auch wenn er durch die Zurufe der Zuschauer frühzeitig gewarnt worden ist (Achtung Chaschperli, s'Krokodil!).
So beendete Reto Wälchli als Erster die letzte Rundfahrt des Jahres 2006 und die zweite der aktuellen Saison, was ihn mit 340 Punkten zum Leader des Grand Prix de Luxe macht und ihm auch die PM-National-Führung einbringt. Noch immer warten wir auf einen Herausforderer, der diesem Reigen ein sportliches Ende setzen will. Martin Schütz wurde verdient Zweiter, gefolgt von Reto Clerici mit seinem giftgrünen Quer-Velo auf dem dritten Platz.
Nach einem grandiosen Applaus aus den Zuschauerreihen tischte Benno den Glühwein von Transa auf, den er diesmal sogar selber braute, da Peter Büchel vom Transa und seine Frau ein weiteres Kind erwarten. Das Gebäck von Jung stiess wie immer auf grosses Interesse und nachdem sich alle bedient hatten fand auch gleich die Siegerehrung statt. Reto Wälchli als Erster entschied sich für das Stoffbanner mit der aktuellen Ilustration, produziert und gesponsert von formlabor, Martin Schütz als Zweiter für den Gutschein von Biroma und Reto Clerici eignete sich das Parkmassaker-Shirt aus der Fabrikation von Chris Hart bzw. Airflow an. In dieser Euphorie ging der Harass von Turbinenbräu als Trostpreis für Carlos Lenz leider vergessen, er kann sich den betreffenden Gutschein aber gerne beim nächsten Parkmassaker abholen.
Bald stoben die Leute in Anbetracht der bevorstehenden Silvesterfeiern in alle Himmelsrichtungen auseinander und auch die Parkmassaker-Kru machte sich langsam auf den Heimweg. Wie immer danken wir vorallem unseren Sponsoren und Zuschauern sowie allen Teilnehmern, weil sie die Parkmassaker erst möglich und nötig machen. Vielen Dank aber auch an Benno und Raffaele, die diese Rundfahrt fast im Alleingang durchgezogen haben. Auch Sven von der Parkmassaker-Sektion Basel und Urs Krumenacher als Fotograf haben einen Teil zum Gelingen beigetragen. Wir verbleiben wie immer mit sportlichen Grüssen bis zum nächsten mal in Basel oder Zürich und wünschen bis dahin gute Fahrt, ein Gutes neues Jahr und viel Glück und Erfolg für weitere Wettkämpfe und Rundfahrten.
Die Parkmassaker-Kru Zürich