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Zum diesjährigen Saison-Auftakt mit dem Technopark-Massaker, illustriert von Robert Müller und gedruckt von Chris Hart, haben wir uns entschlossen, nach den unmenschlichen Strapazen des Douhaney-Parkmassakers (Regen, Matsch, Minus-Temperaturen, 1200-Meter-Runde!) wieder mal einen etwas kürzeren aber dafür umso anspruchsvolleren Rundkurs anzubieten. Dazu boten die Überschüttung einer Luftschutzbunkeranlage und das angrenzende, zwischen Sportplätzen und Tram liegende Gelände optimale Voraussetzungen (Wir danken an dieser Stelle dem Bundesamt für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport!).
Leider liessen sich ein paar Unverbesserliche vom Titel dieser Rundfahrt irritieren und befanden sich zur Zeit der Besammlung nicht am Treffpunkt, sondern tatsächlich auf dem Turbinenplatz vor dem eigentlichen Technopark. Wir hoffen, dass sich diese Szene bei den nächsten Anlässen nicht wiederholen wird, denn einer davon wird Mysterypark-Massaker heissen und dieser befindet sich ja wirklich nicht gleich um die Ecke...
Jedenfalls haben es nach einigen koordinativen Turbulenzen, und nachdem Markus auch noch seinem Bruder, der als Aufpasser für den kleinen Niels anreiste, den Plattfuss behoben hatte, weshalb wir von Stefan Hess und Martin Brunner leider keinen Mug-Shot mit Startnummer haben, alle 17 Teilnehmer geschafft, ihre Anmeldeformulare abzugeben, die Nummern an ihren Velos zu befestigen, sich mit der Strecke vertraut zu machen und sich in der Startaufstellung einen vermeintlich adäquaten Platz zu sichern. Schliesslich haben sich auch alle Fotografen, für deren zahlreiches Erscheinen wir wirklich dankbar sind, denn nur so können alle Fassetten und Perspektiven einer solche Rundfahrt richtig zur Geltung kommen, auf ihre strategisch relevanten Positionen verzogen und dem Schwenken der Start/Ziel-Flagge stand nichts mehr im Weg.
Die Fahrer (leider wieder ohne weibliche Begleitung im Feld) erwartete zu Beginn ein welliger Streckenabschnitt auf nasser Wiese, der den Eingang zum Luftschutzbunker querte und dann gleich in einer sanft ansteigenden Linkskurve zu einem mit glitschigem Laub übersäten Sektor führte, in dem vier Sitzbänke den ersten Wendepunkt markierten. Von da musste ein Anstieg mit leichtem Rechtsdrall gemeistert werden, der über einen schmalen Weg an der Ventilationsöffnung des Bunkers vorbei zu einem steilen Abhang führte, der eine Schussfahrt in die darunter liegende Kompression anbot, sofern man mit dem darin stehenden kleinen Birkenwäldchen gut Freund war...
Diese Kompression verlangte den Fahrern viel ab, so mussten sie versuchen, möglichst viel Schwung über einen Anlieger nach rechts in den unmittelbar darauf folgenden steilen Anstieg mitzunehmen, um es ohne Ach und Krach bis zum weit oben liegenden Wendepunkt zu schaffen. Danach konnte man zum ersten mal die Beine etwas hängen lassen, da die Abfahrt in einer sanft geschwungenen Linkskurve zurück auf den flachen Asphaltweg führte, bevor es dann unmittelbar auf der dem Steilhang gegenüber liegenden Seite der Kompression über einen harten Drop durch eine Senke im Gegenhang zwischen zwei Birken hindurch ging, dem strategischen Nadelöhr und Verhängnis einiger Teilnehmer dieser Rundfahrt, um dann über die Wiese zurück zu Start/Ziel zu kommen. Also alles im grünen Bereich aber eine richtig nette Achterbahn mit vielen Rhythmuswechseln und fahrtechnischen Tücken. Es wäre wohl von Vorteil gewesen, die Kette in der Mitte der Kassette zu platzieren und nur über die Kettenblätter zu schalten, so krass waren die Unterschiede der erforderlichen Übersetzung in dieser Topografie.
Nach dem Start, der für alle ausser Daniel Abrecht, der Meinungsverschiedenheiten mit seinem linken Pedal zu haben schien, relativ glimpflich verlief, setzte sich Stefan Hess, der Dritte des bereits erwähnten Douhaney-Parkmassakers, schon ziemlich früh ab und versuchte bereits in der Aufwärmphase dieses Rennens seine Gegner zu deklassieren. Leider mochte ihm dies nicht gelingen und ein physischer Einbruch sowie eine kleine Unachtsamkeit bewegten ihn dazu, sich kurz hinzulegen und seine Verfolger passieren zu lassen. Auf diese Gelegenheit hatte sein Kontrahent Thomas Kern, Sieger der letzten Many-Hill-Show, mit Argusaugen gewartet und griff sofort und erbarmungslos an. Ihm folgten Martin Brunner und Lukas Zwicky, die den erstaunten Stefan Hess ganz non-chalant nach hinten weiter reichten, wo er schlussendlich auf dem vierten Rang bis zum Schluss sitzen blieb.
Dahinter gab es Runde für Runde ein erbittertes Gerangel um Positionen, doch immer mit einem zwischen schmerzverzerrt und grinsend alternierenden Gesichtsausdruck, so dass Christoph Vetter mit einem milden Lächeln in einer einzigen Runde auf seinem 1x9-Quervelo gleich drei Mitbewerber sprichwörtlich stehen liess, nachdem er noch kurz vorher so aussah, als müsste er gleich beatmet werden. Auch der erst 14 Jahre alte Robert Bütler, der nur aus rechtlichen Gründen mit seiner Mutter angereist war, schlug sich äusserst tapfer, obwohl er erst gerade eine zweiwöchige Grippe hinter sich gebracht hatte, und lehrte die Schlusslichter dieser Rundfahrt das Fürchten.
Nach einem grossen Applaus für alle Teilnehmer begab sich die ganze Gesellschaft auf den Bunker-Hügel und gönnte sich Köstlichkeiten von Jung und den von Benno gebrauten Glühwein (offeriert von Transa), der in letzter Minute doch noch direkt aus den Tiefen der Nacht aufgetaucht war. Dann wurde es leider etwas kühler und vor dem inneren Auge manifestierten sich langsam das häusliche Sofa und die Fernbedienung. Die Sieger erfreuten sich im Rahmen der Preisverleihung wieder wie immer an den Gaben von Backyard, Biroma, Wheelhouse, flamme rouge und Turbinenbräu und alle Anwesenden zogen nach diesem gelungenen Saison-Auftakt müde aber zufrieden davon. Und wenn sie nicht gestorben sind und so weiter, dann sehen wir sie sicher alle beim nächsten mal wieder.
Eure Parkmassaker-Kru Zürich