Nachdem die Bike Days drei mal mit mässigen Besucherzahlen und immer unter schlechten Wetterbedingungen in Biel stattgefunden hatten, wurde der Umzug nach Glattpark-Opfikon bei Zürich nicht nur mit atomarem Wetter belohnt, sondern auch die Zuschauerzahlen rechtfertigten durchaus den Wechsel des Veranstalters und belohnten seine Bemühungen, drei Tage lang ein interessantes und spannendes Programm zu bieten. So kam es, dass auch unser Format Parkmassaker durch die Anfrage und äusserst unkomplizierte Vorgehensweise der FAF AG ein Teil dieses Festivals wurde.
Inmitten grosszügiger Grünflächen, einige davon noch im Entstehungsprozess, einer Trabantenstadt im teilweisen Rohbau, direkt neben einem künstlich angelegten See mit Sandstrand, Beach-Volley- und Basketballfeld und gleich hinter dem Fernsehstudio, jetzt mit eigener Tram-Haltestelle der eben erst verlängerten Linie 11, wurden die Bike Days 2007 zum ersten mal angesiedelt und bleiben hoffentlich auch zukünftig ein fester Bestandteil dieser erst kürzlich erschlossenen Gegend. Der extra für das Festival gebaute Dirt-Park bleibt jedenfalls bestehen und eine Gemeinde wie Opfikon zeigt dem grossen Zürich, dass die Umsetzung solcher Projekten nicht nur möglich ist sondern auch sehr speditiv erledigt werden kann. Ein grosses Kompliment an dieser Stelle an die Verantwortlichen aus Opfikon, Hip-Hip-Hurra!
Als es endlich Mittag wurde an diesem Sonntag hatten sich 11 Teilnehmer am Start eingefunden, doch nur etwa die Hälfte davon war auch schriftlich angemeldet gewesen. Den Anmeldungen im Vorfeld zu entnehmen hätte sich aber ein fast doppelt so grosses Teilnehmerfeld an den Start bewegen müssen, das wunderbare Grill- und Badewetter, die Hitze und der für Lebemänner doch etwas frühe Start hat wohl einige abgeschreckt und kneifen lassen. Auch Sue Hiese, die einzige angemeldete Frau, war bis zum Start noch nicht auf der Bildfläche erschienen. Nun, vielleicht beim nächsten mal, wer weiss, wir hoffen immer noch naiv auf die vermehrte Teilnahme von weiblichen Radsportlerinnen. Uwe Trummer, ein Mann mit langjähriger Parkmassaker-Erfahrung, hatte sich als erster angemeldet und sich so die Pole-Position gesichert, war aber am Freitag zuvor gestürzt und konnte deshalb nicht teilnehmen. Wir wünschen ihm für sein geplatztes Knie gute Besserung.
Heiko Vögeli, der beim letzten Renner der vergangenen Saison zum ersten mal in Erscheinung trat, brachte seinen Trainings-Kollegen und Kumpel Urban Schumacher mit, der im Kreise der Ausnahme-Athleten eine illustre Persönlichkeit ist: Als Sportlehrer ETH und ehemaliger Verbandstrainer des schweizerischen Triathlon-Verbandes hatte er die perfekten Voraussetzungen um den Swisspower Gigathlon Expo.02 zu gewinnen, was er als "Single" (Einzel-Teinehmer) dann auch mit Bravour und Elan getan hatte. Die Erfahrungen aus der Vorbereitungsphase für solche Extrem-Wettkämpfe lässt er heute seinen Schützlingen in Trainings-Camps zu Gute kommen. Dank seiner zuätzlichen Ausbildung als Informatiker UniZH ist er offen für die modernsten computergestützten Diagnose-Methoden und weiss diese auch effizient anzuwenden. Also eigentlich mehr ein Mann der Langstrecken, so waren wir alle neugierig, ob er sich auch auf den doch eher kurzen und explosiven Rundkursen der Parkmassaker zu behaupten weiss.
Weiter möchten wir auch auf unsere deutschen Sympathisanten aus Lörrach, Zwickau, Freital, Dresden und Leipzig verweisen, die sich teils freiwillig vor Ort angemeldet hatten, teils schon fast zur Teilnahme gezwungen wurden (Danke, Jungs!). Obwohl des einen Tourenrad, des andern 1-Zoll-Slicks, ein nicht wirklich langstreckentaugliches Dirt-Bike, ein exotischer 29er und das Fehlen von Helmen (Merci an Raffaele für die Organisation) als erschwerende Umstände gewertet werden könnten, haben sich alle mehr als nur tapfer geschlagen: So war Eik Opitz auf den Geraden einer der Schnelleren während sich Philipp Glass mit einer einmaligen Kurventechnik über den Rundkurs mogelte. Dieser bestand aus einer klassischen Trage-Passage gleich nach dem Start (eine Treppe hinauf von der Grösse der Spanischen in Rom), dann ging es eine asphaltierte Rampe runter, die dann in einen mit Brechsand versiegelten Feldweg mündete. Dieser schlängelte sich einer Böschung entlang zum Waldrand, so dass für hohes Tempo unbedingt Ideal-Linie gefahren werden musste, wo zum Schluss ein Trichter den Einstieg in den Singletrail bildete.
Der Singletrail, gespickt mit ruppigen Wurzeln und knorrigen Strünken, verlangte allen Fahrern ein hohes Mass an Konzentration und technischem Können ab, so dass ihnen die Strapazen Runde für Runde besser aus dem Gesicht zu lesen waren. Am ende dieser holprigen Piste dann wieder Brechsand mit Haarnadelkurven, über einen Beton-Platten-Weg zur Brücke, dann über den künstlichen See um auf der andern Seite wieder nach einer extrem engen Biegung entlang einer Platanen-Allee wieder zu der bereits erwähnten Treppe zu gelangen.
Um den Le-Mans-Start für ein mal klassisch umzusetzen, mussten alle Fahrer entsprechend Ihrer Startnummer die Velos entlang der Mauer auf dem Hoch-Plateau platzieren, gestartet wurde unten in der Fläche beim Basketballfeld. Da der Start in der sengenden Mittagshitze stattfand und es sich um ein doch relativ kleines Starterfeld handelte, entschied sich die Rennleitung in Absprache mit dem Veranstalter der Bike Days 2007, die ersten drei Runden zu neutralisieren und in der vierten das Rennen "fliegend" freizugeben. Unser Flaggen-Mädchen Ariane Schönbächler signalisierte dies unübersehbar und mit einer Dynamik im Formerl-1-Format. Kommentiert wurde der ganze Rennverlauf sehr professionell von Laurens van Rojen, der die Zuschauer mittels Megaphon spannend und interessant auf dem Laufenden hielt.
Leider hatte Jens Bernhardt in der zweiten Runde bereits einen Platten, so dass er noch vor dem eigentlichen Rennbeginn bereits ausschied. Er erhält trotzdem 20 Punkte, da jede gefahrene Runde zählt und entsprechend belohnt wird. Trotz so viel Pech nicht wirklich enttäuscht kam er lächelnd zu Fuss ins Ziel, so dass die Rennleitung ihn zum Lucky Loser erklärte und ihm einen Trostpreis durch die PM-Nixen überreichen liess. Auf Unverständnis stiess der Modus der ersten drei neutralisierenden Runden bei Eik Opitz, der sich bei der Rennleitung über sein Ausscheiden in der fünften Runde beschwerte und sich trotz seines Touren-Velos einen Platz auf dem Podest erhofft hatte. Ob es dazu hätte kommen können werden wir leider nie erfahren...
Aber angesichts der Geschwindigkeit, die Heiko Vögeli als Zugmaschine vorlegte (er lädt wohl seine Batterien im Hochspannungslabor der ETH), bezweifeln wir, dass da noch was zu machen gewesen wäre, denn langsam aber sicher setzte sich das Dreier-Gespann Heiko Vögeli, Urban Schumacher und John Grimshaw ab und pflügte im TGV-Tempo durch die Landschaft, so dass sich zwischen den Querrädern der Fluchtgruppe und den Mountainbikes ihrer Verfolger eine immer grösser werdende Lücke auftat. Hinten reihten sich die Fahrer ein und schienen je länger je mehr nur noch ein Rennen gegen sich selber zu fahren: Die Hitze, die Rhythmus-Wechsel, die Steigung der Treppe und das permanente Fahren am Limit, das alles liess den Fahrern keine Zeit, die Beine auch nur einen kurzen Moment lang hängen zu lassen.
Zum Schluss gelang es John Grimshaw, der eben erst gerade zum zweiten mal Vater geworden ist (Wir gratulieren!) und den Anschluss an Heiko und Urban in der achten Runde etwas verloren hatte, wieder zu den beiden aufzuschliessen und auch noch mit einem waghalsigen Manöver in schönster DTM-Manier an Heiko vorbeizuziehen (Sprintloch, Innenbahn, Servus!), der gerade von Urban verlassen wurde und der Geschwindigkeitsvorgabe der letzten Runden wohl etwas Tribut zollen musste. Trotzdem kam er sehr entspannt und zufrieden als Dritter ins Ziel, nachdem Urban Schumacher mit Abstand Erster wurde und John Grimshaw einen hart erkämpften zweiten Platz einnehmen durfte. Vierter und somit eigentlich Erster vom Rest wurde Sebastian Frenzel auf seinem mit einer Rohloff-Speedhub aufgerüsteten "Singlespeeder" von Rotor, der doch auch eine unglaubliche Leistung zeigte. Wir zollen ihm grossen Respekt.
So ging bei der Sieger-Ehrung auf der Seebühne das Multi-Tool von Parktool an Heiko Vögeli, die Ixon-Leuchte von Busch & Müller an John Grimshaw und der Gutschein für eine Radhose der Spitzenklasse von Sugoi an Urban Schumacher, der es sichtlich genossen hatte, sich auch wieder ein mal einem einigermassen kalkulierbaren Verletzungsrisiko aussetzen zu dürfen...
Wir danken der FAF AG für die wunderbare Kooperation und Velok für die sinnvollen Preise. Grossen Dank an dieser Stelle ganz speziell an Christoph Bernoulli, der dies alles durch seinen Glauben, seine Geduld und seine Ausdauer ermöglichte und an Willy Henrique Säuberli und seine rechte Hand Renata Camila Barbiero für die umfangreiche Foto-Dokumentation.
Bis bald wieder diesen Sommer
Die Parkmassaker-Kru Zürich und ihre Verbündeten