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BMX-JOUST @ Rote Fabrik, Indoor-Lanzen-Turnier

29.04.2007

Im Rahmen des zehnten Teilchenbschleunigers fand auf der Bühne der Aktionshalle der Roten Fabrik zum ersten mal der BMX-JOUST statt, dessen Plakat von unserem langjährigen und legendären Grafiker und Illustrator Res Zinniker entworfen wurde. Dank dem Engagement von GT Bicycles, sixsixone, Lerch-Cyclesport, formlabor, Aroma, Boxclub Zürich, Doppelrahm-Film und der grossartigen und extrem generösen Kooperation der Roten Fabrik wurde dieser Anlass erst überhaupt möglich.

Nachdem sich die erste Hektik am Teilchenbeschleuniger gegen mittag etwas legte und Suzanna unsere Ohren mit ihrem formidablen DJ-Set mehrere Stunden verwöhnt hatte, schrieben sich schlussendlich nach anfänglichem Zögern doch noch ganze 8 Teams ein. Die Teams wurden alle von unseren Sekundanten Benno und Raffaele willkommen geheissen und präzise instruiert: Es galt von kleinen Rampen, die zueinander versetzt standen, auf der zehn Meter breiten Bühne gegeneinander "anzutraben", was aber vielen bereits leichte Schwierigkeiten bereitete. Ebenfalls durfte der vorgegebene, von Matratzen gesäumte und etwa einen halben Meter breite Weg nicht verlassen werden. Als Verlierer galt das Team, welches als erstes den Boden berührte oder dessen Ritter seine Lanze gegen das gegnerische Pferd führte. Auch durfte nicht gestartet werden, bevor das Angriff-Signal ertönte, welches Thomas Domian auf seiner Trompete blies. So viel zu den Regeln, nun aber auch noch ein paar Worte zu den Teilnehmern:

Als erstes meldeten sich die "Medievel Ass Fuckers", bestehend aus Tobias als Ritter (1982, Velokurier/Grafiker) und "Zaskarl" als Pferd (1971, "Fakenger"). Sie begegneten im ersten Lauf den "Dukes of BMX", deren Ritter Mario (1986, Verkäufer) und sein Pferd Dominik (1986, auch Verkäufer) sehr siegessicher in die Schlacht zogen. Zum Schrecken aller Anwesenden endete dieser erste Joust mit dem Abflug von Tobias von der Bühne in den Graben. Gottseidank hat er sich keine gröberen Blessuren zugezogen und nahm die ganze Sache mit der nötigen Portion Selbst-Ironie sehr sportlich.

Da die Qualifikation für das Halbfinale nach Eingang der Anmeldungen vorgenommen wurde, trafen anschliessend "Lö Gwünn", mit "Jolly Jumper" als Pferd (1984, Physik-Student) und "Lucky Luke" als Ritter (1983, auch Physik-Student), auf "Softice" mit David (1980, Schlosser) als Ritter und "Gossi" (1980, Verkäufer) als Pferd. Obwohl "Softice" den doch eher kopflastigen "Lö Gwünn" körperlich weit überlegen schienen, trugen "Lö Gwünn" mit einem perfiden Trick, den sie sehr wahrscheinlich durch ihr etwas besseres Verständnis von Winkelgeschwindigkeit, Drehmoment, Massenträgheit und Impulssatz sehr effektiv anwenden konnten, den Sieg davon: Sie liessen einfach die Füsse verbissen auf den Pedalen bzw. Pegs, obwohl sie sich bereits auf dem Weg nach unten befanden. "Softice" vertrauten leider nicht so blind auf die Dämpfungseigenschaften der bereitgestellten Matratzen und stützten sich mit den Füssen ab. "Lö Gwünn" kam so eine Runde weiter.

Danach folgten das "Team Drahtesel", mit "Marco Polo" als Ritter (1981, Student) und "Prof. Anthrax" (1983, "Chemielehrer"), und trat gegen das "Zwangsteam" an, bestehenden aus Robin als Ritter (1978, keine Angaben zum Beruf) und Nico als Pferd (1983, auch keine Angaben zum Beruf), das seinen Namen daher hatte, dass die beiden zu Beginn sich weder kannten noch Lust verspürten am BMX-JOUST teilzunehmen. Die doch etwas mittelalterlichen Überredungskünste der Wettkampfleitung konnten die beiden aber ziemlich schnell umstimmen. Das "Zwangsteam" ging aus dieser Begegnung als Sieger hervor, da es den etwas tieferen Schwerpunkt zu seinen Gunsten zu nutzen wusste und die langjährige Downhill-Erfahrung des Pferdes richtig einsetzte: Kopf runter und durch!

Als letzte Paarung trafen der "Budapest Boys Club" (wir sind uns nicht sicher, ob es sich um den Plural oder einen verschlampten Genitiv handelt, Anm. d. Red.), mit "Randale" als Ritter (1977, Velokurier) und "Rollin' Roger" als Pferd (1979, Trickfilmzeichner), auf "Dini Mueter", welches das einzige weibliche und auch jüngste Team im ganzen Feld war. Wir möchten an dieser Stelle Betti (1992, Schülerin) und Pelin (1991, auch Schülerin) unseren maximalen Respekt aussprechen, nicht weil sie Mädchen sind, sondern weil sie als einzige ohne jegliche Velo-Erfahrung mehr Courage zeigten und mehr Mumm in den Knochen hatten als viele der anwesenden "Tattoo-Rebels". So kam es auch, dass "Dini Mueter" ohne Furcht und Tadel den "Budapest Boys Club" auf die Bretter schickte, bevor die Jungs recht wussten wie ihnen geschah. Das nennen wir Emanzipation!

In Folge schlugen die "Dukes of BMX" mit Bravour "Lö Gwünn" und waren somit im Finale, wo sie auf das "Zwangsteam" trafen, die sich vorher erfolgreich gegen "Dini Mueter" durchzusetzen vermochten. "Dini Mueter" und "Lö Gwünn" mussten somit das kleine Finale um den dritten Platz bestreiten, wobei Betti im schönsten Tex-Avery-Stil von "Lucky Luke's" Lanze aus dem Sattel gehoben wurde, so dass sich der Veranstalter bereits mit Schadenersatzforderungen wegen grober Fahrlässigkeit konfrontiert sah und einen Genickbruch oder Schlimmeres befürchtete, da er erst beim Aufrufen bemerkt hatte, dass die beiden Mädchen noch gar nicht zeichnungsberechtigt waren und somit der Haftungsauschluss null Gewicht hat. Ein paar Schrecksekunden und etwas kalter Schweiss, aber "Dini Mueter" war hart im Nehmen und erfreut über so viel Ehrgeiz und Stärke entschied sich die Turnierleitung kurzerhand einen Preis für den vierten Platz auszusprechen, da solche Tapferkeit einfach belohnt werden musste.

Im Finale dann die grosse Überraschung: Die "Dukes of BMX" versuchten doch tatsächlich hinter den Kulissen unsportliche Absprachen zu treffen, indem sie dem "Zwangsteam" anboten, dieses gewinnen zu lassen, wenn sich nachher beide Teams den Hauptpreis, die beiden brandneuen BMX von GT, teilen würden. Nun, da loben wir uns den Gerechtigkeitssinn von Robin und Nico und gönnen ihnen den unvorhersehbaren aber wohlverdienten Sieg. Hip, Hip, Hurra!

Natürlich freuen wir uns darauf, diesen Event bald im Freien wiederholen zu können. Gerne nehmen wir dann auch auf die Anliegen einiger Teilnehmer Rücksicht und werden eine grössere Anlaufstrecke zur Verfügung stellen und Helme mit Gitter organisieren. Wir überlegen uns auch zwei von drei Begegnungen als Sieg zu werten, um so den Teams bessere Möglichkeiten zur Egalisierung von Patzern zu geben. Falls sich jemand das von uns verwendete Excel-Formelblatt herunterladen möchte, um selber ein kleines Turnier durchzuführen, so ist es hier erhältlich: Turnierplan BMX-JOUST (excel).

Begleitet wurde das ganze Spektakel und Szenario von Sergio Beresovsky (Schlagzeug), Ulrich Pletcher (Saxophon) und Niculin Christen (Orgel). Diese Formation heisst als Band "Me, Me, Me" (oder "You, You, You", je nach Standpunkt), rockt gewaltig und beweist mit einer extrem entspannten Lockerheit, dass Bass und Gitarre nicht unbedingt notwendig sind, um grossartige Musik zu machen.

Vielen Dank auch noch an Adrien von Turbinenbräu für seine g_astronomische Unterstützung, an Werner Hägi, den liebenswerten Schlosser von nebenan, für die Lanzen, an Roland Brümmer von No-Way für die Mützen zur Korrektur der Helmgrösse, an Giulio Grazzi fürs Fotografieren und Kyros Kirkos fürs Filmen sowie allen involvierten Mitarbeitern der Roten Fabrik, die wieder mal einen wahnsinnig guten Job geleistet haben und ohne deren Einsatz kein BMX-JOUST über die Bühne gegangen wäre.

Bis bald und weiterhin viel Spass mit unserer Variante der diesjährigen Sommerpause.

Die Parkmassaker-Kru Zürich und ihre Verbündeten