Unser aller Freund Christoph Vetter, Parkmassaker-Gründungsmitglied und neuerdings auch ganz offiziell Mechaniker unseres Vetrauens, organisierte als Vorspiel zur Euro-Bike die Schweizer Singlespeed-Meisterschaft 2007. Diese bestand aus vier in geführte Touren integrierte Wertungsläufen, die aus einem Downhill, einer Orientierungsfahrt, einem Bergzeitfahren und eben einem Parkmassaker bestanden.
Zu diesem Anlass kamen sie aus allen Herren Ländern um sich in der Disziplin des Eingangfahrens und dessen Variationen zu messen. Nach einem gemütlich-familiären Apéro in Christophs neuem Laden und einiger verkehrstechnisch bedingter Verzögerung trafen schlussendlich alle Teilnehmer ein und wurden gleich auf privater Basis einquartiert.
Am nächsten Abend, alle Teilnehmer hatten nach den ersten zwei Prüfungen bereits einige Höhenmeter in den Beinen, organisierte die Parkmassaker-Kru Zürich mit dem SSSM-Komitee ein wunderbares Grillen am See für die ganze Belegschaft plus Anhang und Gastgeber. In dieser feucht-fröhlichen Stimmung schienen aber vorallem einige der jüngeren Teilnehmer vergessen zu haben, dass die abenteuerlichste aller Prüfungen trotz Wein, Weib und Gesang noch bevorstand: das allererste Nachtmassaker...
Um halb elf erfolgte dann die Startnummernausgabe, während der Mond die ganze Szenerie in ein unheimliches Licht tauchte und der Grill seine glühenden Chamottsteine zum Besten gab. Max, du bist Herr über Feuer und Flamme, keiner bedient den Rost so elegant wie du. Die von Cécile zubereiteten Köstlichkeiten (inklusive unfreiwillige Bierdusche) lagen uns angenehm im Magen, so dass sich auch die Rennleitung erst überwinden musste, diesen extrem gemütlichen Rastplatz zu Rennzwecken zu verlassen. Vorallem die wunderbare Aussicht hielt zum Verweilen an (nicht wahr, Max?), wieso also in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt?
Nach einem kurzen Transfer zu einem nahegelegenen Park am Fuss des östereichischen Konsulats, und nachdem wir uns am vereinbarten Treffpunkt vergewissert hatten, dass wirklich ausser den Singlespeedern niemand aus den üblichen Reihen mitfahren wollte (Schämt euch, ihr Pfeifen!), wurde der Rundkurs mittels beleuchteten Verkehrs-Pilonen im stockfinsteren Park markiert und abgeschritten: Über nasses Gras und kiesbedeckte Wege führte die Strecke eine steile Böschung hinauf um dann die Eingänger gleich wieder über eine Treppen/Rampen-Kombination inklusive Haarnadelkurve und einem schmalen Weg entlang einem grossen Wasserbecken mit einer mit Stufen bewehrten Brücke zu überraschen. Diese Stelle wurde dann auch für Einige zum Knackpunkt, was sich in platten und von der Felge gezogenen Reifen äusserte. Nach der Brücke kam dann der technische Teil mit raschen Rhythmus-Wechseln und engen Zick-Zack-Passagen zwischen Schwertlilien-Beeten und Wassergräben, von deren Pracht aber wegen der Finsternis und dem aufs Rennen fixierten Fokus unsere Kandidaten sicher nichts mitbekommen haben. Ebenso wurde das farbige Wasserspiel nicht wirklich zur Kenntnis genommen, da es kurz nach dem Start der Rundfahrt von einer Zeitschaltuhr in seine Schranken verwiesen wurde, was wirklich schade war. Zu Start/Ziel ging es zum Schluss über ein paar wurzlige Segmente und wieder etwas losen Kies, bis der erste Wendepukt wieder in Sicht war.
Im Laufe des Spektakels, das wir leider aus Mangel an professionellem Fotogerät im Dunkeln nicht besser dokumentieren konnten, erstaunten uns vorallem die Leistungen des jungen Isaac Burleigh, der nicht nur ohne Licht allen andern davon fuhr, sondern auch noch einen mit Camou-Hosen und Netz-Shirt bewehrten Solarium-Stricher aus den Büschen scheuchte. Ob er das selber in der Hitze des Gefechts überhaupt mitbekommen hat ist fraglich, wurde er doch verbissen von Serge Gration verfolgt, der auf das Velo seines in der Runde zuvor ausgeschiedenen Team-Kameradens Mathieu Fischer umstieg, nachdem er sein Hinterrad an der Brücke gepellt hatte. So wurde Isaac mit Abstand Erster, Serge mit viel Lärm Zweiter und Mathieu Dritter. Auf dem vierten Platz und somit als Erster vom Rest folgte Michael Cleveland mit der Nummer 13, der hier nur schon wegen seiner überhaupt nicht amerikanischen Art und seinem eimaligen und wunderschönen 29er-Blacksheep aus edlem Titanium erwähnt werden muss.
Nachdem alle ihre ramponierten Räder wieder zurechtgebogen hatten begab sich die ganze Gesellschaft zurück zum Grill durch einen Palisadenwall besoffener Passanten, da zeitgleich das Zürcher Theater-Spektakel auf der benachbarten Landiwiese stattfand und uns so wohl ungewollt den Besuch der Ordnungshüter erspart hatte. So kehrten wir zufrieden nach einer weiteren erfolgreichen Rundfahrt in unser Lager zurück, um nun mit reinem Gewissen die noch verbliebenen Weinflaschen zu entkorken.
Wir möchten an diser Stelle nicht nur den Teilnehmern danken, die diese Veranstaltung mit der nötigen Lässigkeit doch so ernst genommen haben, dass sich unser Aufwand wieder einmal rechtfertigte, sonder auch allen an der Logistik beteiligten Personen und Firmen: Walter Nenninger für die Leihgabe des Grills, Dominik Strahlhofer für die Grill-Zange, Cécile Vennos für Transport, Logistik und die kulinarischen Meisterleistungen, Max Braun für den Grill-Chef, Benno Meier für die Assistenz, Guy Myint-Maung für Kost und Logis und natürlich ganz speziell Christoph Vetter, ohne den dies alles gar nie möglich geworden wäre. Ebenso noch ein grosses Dankeschön an Kera McDonald, aus deren hauseigener Produktion der wunderschöne Hauptpreis der SSSM 07 stammt und die ausser Konkurrenz die Kategorie der Frauen gewonnen hatte.
Bis bald und weiterhin viel Spass mit unserer Interpretation der Zürcher Bike-Kultur.
Die Parkmassaker-Kru Zürich und ihre Verbündeten